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Klone altern gesund

Von Reinhard Renneberg , Hongkong

  • Von Reinhard Renneberg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Superstar Dolly, das erste Klonschaf, wurde nur sechs Jahre alt. Es litt an Gelenkentzündungen und bekam am Ende eine Lungenentzündung. Es musste eingeschläfert werden. Das säte natürlich Zweifel am Nutzen des Klonens mithilfe des somatischen Zellkern-Transfers (SCNT). «Dolly-Vater» Sir Ian Wilmut, mit dem ich im vorigen Jahr in Hongkong sprach, hatte selbst Zweifel und arbeitet jetzt lieber an Stammzellen für die Leber, eine große Aufgabe für das whiskyliebende Schottland. Es gab auch keinen Nobelpreis für Sir Ian, wohl aber für John Gurdon (Klonen von Fröschen) und Shinya Yamanaka (Stammzellen).

Eine neue umfassende Studie («Nature Communications», DOI: 10.1038/ncomms12359) von Forschern um Kevin Sinclair von der Universität Nottingham bringt nun Entwarnung. Die Wissenschaftler untersuchten 13 Klon-Schafe im Alter von sieben bis neun Jahren. Das entspricht einem Menschenalter von etwa 60 bis 70 Jahren. Vier der Tiere stammen aus derselben Zelllinie wie Dolly, besitzen also das gleiche Genmaterial.

Sinclair und Kollegen machten einen Gesundheitscheck. Das Ergebnis: keine Zeichen frühzeitigen Alterns, nur einige leichte Fälle von Gelenkbeschwerden, dem Alter der Tiere entsprechend.

Das 1996 geborene und 1997 der Öffentlichkeit präsentierte Schaf Dolly war der erste Klon eines erwachsenen Säugetiers, lebte aus Sicherheitsgründen in einem streng bewachten Betonblock und wiederkäute Pillen mit Nahrungskonzentrat. Frisches Gras zupfen wie etwa seine vier nun untersuchten genetischen Kopien durfte es nicht.

Vier Kopien des berühmten Schafs, Daisy, Debbie, Denise und Dianna, erfreuen sich also bester Gesundheit. Mit ihren neun Jahren seien sie zwar betagte Damen, doch erstaunlich fit, alles wie bei ganz normalen Schafen, berichtet der Entwicklungsbiologe Sinclair.

Dolly hatte bekanntlich drei Mütter. Aus einer Euterzelle der ersten stammte die DNA. Die zweite Mama stellte eine entkernte Eizelle zur Verfügung. Ein drittes Schaf war Leihmutter für den Embryo.

Entgegen ersten Befürchtungen wurde das Klonen seither höchstens genutzt, um die Gene besonders wertvoller Zuchttiere zu erhalten. Schließlich war es nicht effizient und damit sehr teuer.

Lange stellte sich Frage: Sieht ein geklontes Lamm nur jung aus, während seine Zellen sich an ihr wahres Alter «erinnern»? Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die sieben- bis neunjährigen Klonschafe vorzeitig altern, sagt Sinclair. Herz, Stoffwechsel und Knochen seien völlig in Ordnung, auch im Vergleich mit sechs etwas jüngeren Schafen aus konventioneller Zucht. Von Lahmheit keine Spur. Einige Zellen seien offenbar komplett umprogrammiert worden, sagt Sinclair. Daraus entstünden ganz normale Tiere. Dollys früher Tod war somit wohl einfach nur Pech.

Dolly wurde ja bekanntlich nach Dolly Parton benannt, eine vollbusige US-amerikanische Country-Sängerin und überaus erfolgreiche Songautorin. Ist Schaf Dolly etwa dem Hit des Country-Sängers Faron Young gefolgt: «Live fast, love hard, die young! (»Lebe schnell, liebe heftig, stirb jung«)?

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