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Ein schönes Plätzchen für Karl Marx

Im Potsdamer Bahnhofs-Quartier gönnt sich die Landesinvestitionsbank einen Neubau

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 4 Min.

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Der Neubau der Landesinvestitionsbank am Potsdamer Hauptbahnhof soll 2017 fertig sein. Der Sitz der Förderbank bietet 700 Menschen Platz, darunter auch den Mitarbeitern der Zukunftsagentur.

Finanzminister Christian Görke (LINKE) hat die parlamentarische Sommerpause in der Landeshauptstadt am Mittwoch dazu genutzt, sich den Baufortschritt am neuen Gebäude der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) erläutern zu lassen.

»Natürlich wird der Karl-Marx-Kopf hier seien Platz finden«, bestätigt ILB-Vorstandssprecher Tillmann Stenger beim Rundgang. »Irgendwie begleitet er uns.« Die Büste habe die ILB vor Jahrzehnten in ihrer ersten Unterkunft vorgefunden, seither habe sie im Dienstzimmer seines Vorgängers Licht gestanden. Doch der Umzug fordere seinen Tribut: »Ich habe Marx erst einmal in die Ecke gestellt.«

Schon geraume Zeit sind die äußeren Umrisse des mehrflügligen neuen Gebäudes gegenüber dem Potsdamer Hauptbahnhof zu erkennen, die eine Geschossfläche von 28 000 Quadratmetern umschließen. Bis Jahresende soll es bezugsfertig sein. Neben der ILB soll auch die Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB), die aber ab dem Jahreswechsel als Wirtschaftsfördergesellschaft firmieren wird, dort unterkommen, zusammen werden es 700 Mitarbeiter sein. Doch schon jetzt ist der vorgesehene Platz im noch nicht einmal fertiggestellten Haus für die Wirtschaftsförderung zu klein, sie habe schon im Bahnhof Räume angemietet, erfährt man von Stenger. Es gibt eine Tiefgarage für die Beschäftigten. Künftige Kunden allerdings sollen ihre Autos im Parkhaus des Hauptbahnhofs abstellen, bekommen aber die Gebühren ersetzt.

Sowohl der Finanzminister als auch Stenger legen Wert auf die Feststellung, dass der Steuerzahler für diesen Großbau nach neusten energetischen Kriterien nicht aufkomme. Die vorgesehenen Gesamtkosten in Höhe von 94 Millionen Euro werden zum Teil kreditfinanziert - mit einer Laufzeit von 33 Jahren. Doch werde man vermutlich den Rahmen nicht ausschöpfen und dies, obwohl die vorgeschriebene Kampfmittelsuche zur aufwendigen Entsorgung von zwei Bombenblindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg sowie von weiteren fünf Tonnen Kriegsschrott geführt und die Kosten um zwei Millionen Euro erhöht haben. Beschäftigt worden seien beim Bau übrigens vorrangig ostdeutsche Unternehmen.

Eine leichte Verspätung bei der Fertigstellung würde keinen Beinbruch darstellen. Der Mietvertrag für das bisherige Domizil der Landesinvestitionsbank in der Potsdamer Steinstraße läuft zwar zum Jahresende aus, aber der Vermieter werde gegen eine Verlängerung nichts einzuwenden haben, weil er bislang weder einen Nachmieter noch einen Käufer gefunden habe, sagt Stenger.

Einen Tresor beherberge das neue Bankgebäude nicht, hier beherrsche künftig die bargeldlose Zahlung das Geschäft, erfährt der Finanzminister. Ein weiteres Charakteristikum ist das papierfreie Büro. Raum für Aktenschränke ist nicht mehr vorgesehen. Doch halt: Einen Tresor für die unterschriebenen Verträge soll es dann doch geben. Nicht zu vergessen den »Mutter-Kind-Raum« und ein Bereich für Yoga und Gesundheitssport. Seit diese Einrichtungen in der Landesverwaltung eingeführt wurden, seien die Krankenzahlen zurückgegangen, äußert Minister Görke zufrieden.

Der Weg führt vorbei an einem scheinbar unentwirrbaren Kabel-Wust. Dieser dokumentiere die Komplexität des Hauses, an dessen Planer und Bauorganisatoren seien höchste Anforderungen gestellt. »Das ist ja wie beim Flughafen«, sagt Görke gedankenverloren. Ein großes Betriebsrestaurant - es wird nicht öffentlich sein - könne dereinst, wie auch andere Bereiche des Hauses, für Konferenzen, Tagungen und ähnliche Veranstaltungen genutzt werden.

Auf dem Dach des Neubaus erklärt der Vorstandschef, dass das Haus in der Sichtachse zwischen dem Babelsberger Park und dem Brauhausberg habe nicht höher gebaut werden dürfen. Deutlich zu erkennen: Zwischen den Bahngleisen und dem neuen ILB-Gebäude entsteht ein Hotel. »Für uns ein guter Schallschutz« sagt Stenger. Bei der Stadt habe man schon beantragt, die danebenliegende Bushaltestelle umzubenennen: in »Hauptbahnhof/ILB«.

Von hier aus ist das benachbarte Ufer des Flüsschens Nuthe zu sehen. Es werde vom ILB-Gebäude einen Zugang zum Wasser geben, bestätigt Stenger. Im Unterschied zu dem gesicherten Haus selbst solle die Umgebung betretbar bleiben. »Wir werden nicht eingezäunt.«

Wird die Bank brotlos, wenn durch den Brexit die EU-Fördergelder für Brandenburg gekürzt werden sollten oder ganz ausbleiben? »Bis 2020 sind die Summen festgelegt«, sagt der Vorstandsvorsitzende. »Irgendwann wird verhandelt und irgendwann wird auch etwas festgelegt.« Wenn Großbritannien als zweitgrößter Nettozahler der Union tatsächlich ersatzlos wegfallen sollte, »dann fehlt in der Tat Geld.« Vorsichtshalber wurde in der Funktionsbeschreibung des neuen Gebäudes aber eingetragen: »flexibel abtrennbare Bereiche bei sinkendem Eigenbedarf der ILB. Drittverwendung gegeben.«

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