In der Tiefe nur Treibsand

Notizen aus Venedig

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Um noch mal auf den Tod zurückzukommen: Sein Domizil ist umkämpft. Das, was im Spätherbst und Winter über den Kanälen dieser Stadt hängt wie giftiger Nebel, ist in Wahrheit Rauch über einem Schlachtfeld.

Venedigs Anziehungskraft erwächst aus dem paradoxen Zugleich sich ausschließender Gegensätze. Es zieht seit jeher romantische Weltflüchtlinge ebenso an wie despotische Naturen, die einen überschaubaren Ort suchten, um ihre Machtgelüste auszuleben. Venedigs Wasserlage verbindet den Charakter einer Kolonie mit dem eines Imperiums. Ob auf einer Insel in der Lagune Leprakranke ausgesetzt wurden oder ob man im Gegenteil Schutz vor Krankheiten und Krieg suchte, wer wollte das jemals so genau entscheiden? Venedig war immer beides zugleich: Ort der Verbannung und Zuflucht. Man fühlte sich als Venezianer sicher vor den Angriffen des Festlands, aber auch von diesem abgeschnitten. Solch eine beunruhigende Doppelexistenz weckt den Ansporn, es...


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