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Letzte Frist für Flugplatz Drewitz

Oberste Luftfahrtbehörde verlängert Genehmigung für insolventen Verkehrslandeplatz

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

Es ist nur eine Atempause: Der Flugplatz Cottbus-Drewitz kann trotz des laufenden Insolvenzverfahrens vorerst weiter betrieben werden - wenn auch auf »Sparflamme«. Zwar ist die Hauptstart- und Landebahn gesperrt, denn sie bedarf dringend einer Erneuerung. Doch immerhin steht zumindest Sportfliegern weiterhin eine Graspiste zur Verfügung. Eigentlich wäre am 31. August die Betriebsgenehmigung für den Verkehrslandeplatz erloschen. Doch die zuständige Gemeinsame Obere Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg hat einer Fristverlängerung bis zum Jahresende zugestimmt. Das bestätigte Insolvenzverwalter Udo Feser am Montag dem »neuen deutschland«.

Diesen Schritt begrüßt auch das Infrastrukturministerium des Landes. Sprecher Steffen Streu erklärte, das Ministerium unterstütze alle Bemühungen, für den Flugplatz einen neuen Investor zu finden. »Im Prinzip wird durch die Verlängerung der Betriebsgenehmigung die Tür offen gehalten, um doch noch eine Lösung für den seit Jahren in Schwierigkeiten befindlichen Standort zu finden.«

Der nordöstlich von Cottbus an der Grenze zu Polen gelegene Flugplatz Drewitz war bis zum Ende der DDR und zur Übernahme ihrer Streitkräfte ein Jagdfliegerhorst, auf dem Kampfjets der Typen MiG-21 und MiG-23 stationiert waren. Die Start- und Landebahn war im Jahre 1986 komplett erneuert worden und damals auf modernstem Stand. Im Januar 1989 ließ die DDR-Führung am Standort Drewitz des damaligen NVA-Jagdgeschwaders JG-7 als einseitigen Abrüstungsschritt medienwirksam den Flugbetrieb eingestellen. Am 25. Oktober 1989 wurde das JG-7 offiziell aufgelöst, die Flugzeuge wurden zerlegt. Nach der Übernahme durch die Bundeswehr war der Platz zeitweise Konzentrierungsraum für viele DDR-Kampfflugzeuge und weiteres Militärgerät der NVA, bevor es veräußert oder verschrottet wurde.

Es folgte eine ganze Reihe von Versuchen, den Flugplatz nach dem Abzug der Bundeswehr einer erfolgversprechenden wirtschaftlichen Zukunft zuzuführen. In den Jahren 2004/2005 schien es möglich, den damals am weitesten östlich gelegenen Regionalflugplatz Deutschlands zu einem Luftfracht-Drehkreuz von internationalem Rang zu entwickeln - zum weltweit drittgrößten nach Hongkong und Dubai. Damals hatten die Betreiber des Flughafens Erie im US-Bundesstaat Pennsylvania und das Unternehmen Erie Aviation angekündigt, mittelfristig 35 Millionen Euro in den Ausbau des Flugplatzes und seiner Infrastruktur investieren zu wollen. Hunderte neue Arbeitsplätze hatten damals nicht nur die Landesregierung aufhorchen lassen. Doch die Träume waren geplatzt - wie so viele in den Jahren darauf.

2014 hatte die international agierende Investorengruppe Flacks Group das knapp 350 Hektar große Gelände erworben. Anteileigner waren zuvor neben dem Landkreis Spree-Neiße vor allem einige Kommunen. Ziel war es gewesen, den Flugplatz aus Kostengründen zu privatisieren, um die umliegenden kommunalen Gesellschafter zu entlasten. Flacks hatte angekündigt, ein Wartungscenter für Passagier- und Frachtflugzeuge am Standort zu errichten. Doch das Konzept hielt der Wirklichkeit nicht stand, vor allem die Kosten drohten aus dem Rahmen zu fallen. Im Juli 2015 kündigten die Betreiber Insolvenz an. Die meisten der bis dahin verbliebenen Flugplatzmitarbeiter wurden entlassen. Heute arbeiten nach Auskunft von Insolvenzverwalter Feser nur noch zwei Mitarbeiter am Flugplatz, die absolute Mindestbesatzung, um Tower und Anlagen in Betrieb zu halten. »Wir haben am Platz auch noch fünf, sechs Sportflieger mit ihren Maschinen«, sagt Feser.

Der Insolvenzverwalter hält die Fristverlängerung für ausreichend, um eine für alle beteiligten Parteien akzeptable Lösung hinzubekommen. Schließlich gehe es darum, die Angebote von Interessenten abzuwägen und zudem unter anderem eine Einigung über die von den ehemaligen Eignern und dem insolventen Betreiber unterzeichnete Rückauflassungsvereinbarung hinzubekommen. Bislang stehe noch kein Käufer fest. Dem Vernehmen nach gibt es sechs Interessenten - die Palette reicht von der Erweiterung der Photovoltaikfelder bis hin zu einer gewerblichen Nutzung der Flächen. Doch Udo Feser äußert sich optimistisch, das bis September/Oktober zu schaffen.

Die Fristverlängerung wurde gewährt, um Zeit für die Vorlage eines Konzepts zur Instandsetzung der Start- und Landebahn zu schaffen, war aus dem Infrastrukturministerium in Potsdam zu erfahren. Die Piste ist aufgeplatzt, eine Sanierung enorm teuer - da bleibt wenig Raum für große Flugplatzträume. mit dpa

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