Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Avancen aus Neuseenland

Sachsen und Sachsen-Anhalt verfolgen ein gemeinsames Tourismuskonzept in den früheren Braunkohlerevieren

  • Von Thomas Schöne, Halle/Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.

Aus dreckig wird blau: Das mitteldeutsche Braunkohlerevier hat sich seit dem Ende der DDR stark verändert. Die meisten Tagebaue wurden stillgelegt und geflutet. Statt Bagger und Kohle gibt es Wasser, Wald und Platz für Sport, Gastronomie und Erholung. Die Region umfasst rund 6500 Quadratkilometer - das ist etwa die zweieinhalbfache Fläche des Saarlandes. Mehr als 40 frühere Fördergruben haben sich in Seen verwandelt. Seit 1990 flossen nach Angaben des Magdeburger Wirtschaftsministeriums rund 1,4 Milliarden Euro von Bund und Land in die Tagebausanierung in Sachsen-Anhalt.

Die Seenlandschaften sind inzwischen beliebte Ausflugsziele für Einheimische, doch sie sollen auch Touristen anziehen. »Bisher war unser Land vor allem für Tages- und Wochenendtouristen interessant. Perspektivisch wollen wir aber Gäste für längere Aufenthalte gewinnen«, sagt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Neuestes Beispiel: der Muldestausee in der Dübener Heide, genau an der Landesgrenze zu Sachsen. Früher lag hier das Bitterfelder Bergbaurevier.

Dieser Tage wurde dort ein neues Ferien-Resort eröffnet. Die ehemalige Tagebau-Hauptstation bei Gröbern wurde zum Vier-Sterne-Hotel umgebaut. Außerdem gibt es Ferienhäuser und Wohnmobilstellplätze. Baden, Volleyball, Fußball, Joggen - all das soll in der neuen Anlage möglich sein. »Natürlich kann auch geangelt und gesegelt werden«, sagt Projektbetreuerin Edith Brasche aus Hamburg. »Wir erwarten etwa 11 500 Übernachtungen im Jahr.« Die Nachfrage sei gut, die Häuser für den Ferienmonat August bereits ausgebucht - mit Anfragen aus ganz Deutschland.

Das wären genau jene Urlauber, auf die Ministerpräsident Haseloff abzielt. »Eine Anlage wie hier am Gröberner See bietet dafür ausgezeichnete Voraussetzungen«, sagt er über das Resort. Die neuen Betreiber haben nach eigenen Angaben rund 13,6 Millionen Euro in das »See- und Waldresort am Gröberner See« investiert; 22 Arbeitsplätze entstanden neu. Weil der Tourismus ein wichtiges Standbein in der Region ist, kamen 1,9 Millionen Euro aus der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe »Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur«. Gleich nebenan liegt die Halbinsel Pouch am Großen Goitzschesee. Sommerfeste, Konzerte und Festivals stehen hier regelmäßig auf dem Programm.

Im Nachbarland Sachsen sind die früheren Kohlegruben schon länger Ziel von Erholungsuchenden aus nah und fern. Das Lagovida-Ferienresort am Störmthaler See und das Camp David am Schladitzer See etwa bieten Ähnliches wie der Muldestausee. »Die Resonanz ist sehr gut. Wir haben auch Gäste aus Holland, Österreich und der Schweiz«, berichtet die Projektleiterin der Leipziger Tourismus- und Marketing GmbH, Kathleen Schaaf.

Mit einem gemeinsamen »Tourismuswirtschaftlichem Gesamtkonzept« ziehen Sachsen und Sachsen-Anhalt an einem Strang. Die Planung reicht bis zum Jahr 2030. Schwerpunkte sind das Geiseltal - mit 19 Quadratkilometern der größte künstliche See Deutschlands - und der Landschaftspark Goitzsche. In Sachsen liegt das Augenmerk auf dem Leipziger Neuseenland, das sich im Süden der Messestadt ausbreitet.

Die schon länger gefluteten Tagebaue wie der Cospudener See und der Störmthaler See sind bereits seit einiger Zeit beliebte Naherholungsgebiete. Trendsportarten wie Wildwasserrafting oder Wakeboarden sollen ebenso Gäste anlocken wie die vielen Gewässerverbindungen, die derzeit ausgebaut werden. Sie sollen die Seen untereinander und mit der Pleiße vernetzen, damit Kanus, Motor- und Segelboote sowie Fahrgastschiffe die neuen Wassergebiete nutzen können. dpa/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln