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¡Todavia estoy vivo! - Ich lebe noch!

Todestag Garcia-Lorca

  • Von Hinnerk Einhorn
  • Lesedauer: 3 Min.

Spaniens Himmel breitet seine Sterne, die Hymne der Internationalen Brigaden, sangen wir mit Inbrunst an den Lagerfeuern und Brechts Stück Gewehre der Frau Carrar gehörte zum Schulpensum.

Aber wer etwas über die Tragödie des Spanischen Bürgerkrieges erfahren will, der wird mit Ludwig Renn und Michael Kolzow nicht zufrieden sein können. Auch Ernest Hemingway oder George Orwell bringen nur Teilaspekte zur Sprache. Wer es genauer wissen will, der greife zu des Spaniers Max Aub sechsbändigem Romanwerk »Das magische Labyrinth«, das uns seit den sechziger Jahren in Deutsch zur Verfügung steht.

Aub kannte Kolzow, war mit Hemingway und Orwell befreundet, aber auch mit Picasso, Dalí und Federico García Lorca.

Als am 17. Juli 1936 ein gewisser Oberst Franco auf den Kanarischen Inseln putsche und seine Gewährsmänner im Eilschritt auch das spanische Festland in ihre Gewalt bringen wollten, da war Federico García Lorca in seiner Heimatstadt Granada, um mit der Familie des Vaters Namenstag zu feiern.

Eigentlich sollte der 38-jährige Lorca längst im Exil in Mexiko sein, dazu hatten ihm seine Freunde dringend geraten. Denn der längst weltbekannte Dichter solcher Dramen wie Bluthochzeit, Doña Rosita bleibt ledig, und Bernarda Albas Haus hatte sich eindeutig zur 2. Republik bekannt. Als Leiter des Studenten-Theaters Barraca war er schon vorher in Stadt und Land unterwegs gewesen, um einfache Menschen mit den spanischen Klassikern bekannt zu machen.

In vielen Zeitungsinterviews und Reden über den Madrider Rundfunk hatte er die rechten Kräfte attackiert, ausdrücklich auch die Granadiner Bourgeosie als eine der erbärmlichsten Spaniens gegeißelt.

Und er sollte Recht behalten, denn Granada war eine der Städte, in denen Francos Leute innerhalb von Tagen die Macht übernahmen. Und Lorca saß in der Falle.

Luis Rosales, ein junger Dichter und Studienfreund, dessen Brüder zur Führung der lokalen Faschisten gehörten, will Lorca die Flucht ins noch republikanische Umland ermöglichen, aber Lorca verbirgt sich lediglich im Haus der Familie Rosales im Zentrum Granadas, im Auge des Taifuns. Doch nach einer Woche wird er schließlich verhaftet.

Lorcas Vater und der Vater der Familie Rosales, auch der berühmte Komponist Manuel de Falla, der oft mit Lorca musiziert hatte, verwenden sich beim Gouverneur für Lorcas Freilassung und erwirken sogar die Aufhebung des Haftbefehls.

Doch - bitterste Groteske ! - da hatte eine Schwarze Schwadron, eine Truppe fürs Grobe, ihn längst ins Dorf Viznar gekarrt und in der Nacht des 19.August bei einem Spaziergang (dar el paseo) - so nannte man das - erschossen.

¡Todavia estoy vivo! sollen Lorcas letzte Worte gewesen sein.

Einer der Mörder prahlte kurz darauf in seiner Stammkneipe, dem maricon F.GL. eine Salve extra in den Arsch geschossen zu haben.

Vom Autor erscheint 2017 das Buch »Begrabt mich, wenn ihr wollt, in einer Wetterfahne« mit Texten über Lorca sowie Nachdichtungen.

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