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Es darf wieder gehopft werden

Die Anbaufläche für Hopfen in Ostdeutschland wächst/ neue Geschmackstrends machen dem Bitterhopfen Konkurrenz

  • Von Harald Lachmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Die vielleicht jüngste Majestät aller Zeiten residiert seit Juli im Hopfenanbaugebiet Elbe-Saale. Denn die neue regionale Hopfenkönigin Emmelie Lucile Otte ist erst 19 Jahre alt. Sie stammt aus dem nordthüringischen Großenehrich bei Sondershausen, wo die ortsansässige Agrargenossenschaft traditionell die für das Bierbrauen unverzichtbare Kletterpflanze anbaut. Mit ihrer Jugend steht Emmelie Lucile zugleich symbolisch für die neue Zukunftsträchtigkeit des Hopfenanbaus in den mitteldeutschen Landen. Denn nach einem drastischen Niedergang nach der Wende erstreckt sich über Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen inzwischen wieder das zweitgrößte unter den sechs deutschen Anbaugebieten für die Bitterpflanze - nach der Hallertau in Bayern, wo indes gut zehnmal so viel Hopfen geerntet wird.

Seit Jahren wächst aber auch das Areal zwischen Kyffhäuser und Oberlausitz wieder, über das sich die markanten Spannbetonanlagen erstrecken - zwar langsam aber kontinuierlich. So entstehen gerade zwei neue Anlagen nahe der sächsischen Orte Schrebitz bei Döbeln und Scharfenberg bei Meißen. Insgesamt bewirtschaften die 31 Betriebe des mitteldeutschen Hopfenreviers 1409 Hektar. Diese bilden immerhin rund vier Prozent der Weltanbaufläche. Und seit 2014 darf sich der Elbe-Saale-Hopfen auch als EU-geschütztes Erzeugnis vermarkten. Schließlich wird er in 75 Länder exportiert.

Für die Zukunft des Hopfenanbaus in Ostdeutschland sorgten vor allem stabilere und ab 2020 wohl auch steigende Aufkaufpreise durch die Brauindustrie, informiert Emil Berthold aus dem thüringischen Monstab bei Altenburg. Er leitet als Vorstandschef den Hopfenpflanzenverband Elbe-Saale. Dessen Mitgliedsbetriebe profitieren vor allem von zwei Effekten: Zum einen kommen die klimatischen sowie Bodenbedingungen in Mitteldeutschland - und speziell in Sachsen - denen im weltberühmten böhmischen Saazer Hopfengebiet sehr nahe. So gehört der »German Saazer« zu den drei wichtigsten Sorten, die hier gedeihen.

Und zum anderen spielt den Landwirten der derzeitige Trend zu mehr regionalen und zugleich handwerklich gebrauten Edel-, Sparten- oder Gourmetbieren (»Craft Beer«) in die Hände. Statt sich allein am bayrischen Reinheitsgebot zu orientieren, werden die Brauer auch in Bezug auf die Zutaten mutiger.

Alternativ zum traditionellen Bitterhopfen rühren sie verstärkt exotisch anmutende Neuzüchtungen in die Bottiche - so genannte Flavor Hops (Aromahopfen). Oft gibt dabei schon der Name die Richtung vor: Neben Mandarina Bavaria (mit nur 7,7 Prozent Alphasäuregehalt ausgesprochen süß) wachsen in Mitteldeutschland auch die intensiv nach Honigmelone schmeckende Sorte Huell Melon sowie Huell blanc, ein Hopfen mit einer Note wie Eisminze. Dass die regionale Brauindustrie hieran Interesse zeigt, bestätigt auch Renate Scheibner. Sie ist Chefin der familiären Glückauf-Brauerei im erzgebirgischen Gersdorf und zugleich Präsidentin des Verbandes Privater Brauereien Mitteldeutschland. Kürzlich ehrte die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) ihr neues »Gersdorfer ALE« mit einer Goldplakette. Dabei mussten sich die Sachsen mit rund hundert weiteren Craft-Bieren messen. Auch die Vereinsbrauerei Apolda brachte jüngst sechs neue Spartenbiere auf den Markt.

Da diese auf Aromahopfen basierenden Biere höhere Gewinne bei vergleichbarem Arbeitsaufwand sichern, erwartet auch Berthold ein Anwachsen der neuen Sorten auf gut die Hälfte der Hopfenfläche in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Überdies rechnen die Bauern für die diesjährige Hopfenernte, die Ende August beginnt, mit überdurchschnittlichen Erträgen von gut 40 Zentner je Hektar. Unterm Strich dürften sie so 52 000 Tonnen Elbe-Saale-Hopfen in ihre Scheuern fahren.

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