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Machtkampf zwischen VW und Zulieferer beigelegt

Verhandlungskreise: Langfristige Partnerschaft geschlossen / Teilelieferung soll so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden / VW in Kassel fährt Produktion wieder hoch / Mitarbeiter in Sachsen befürchten böses Nachspiel

Update 14.25 Uhr: VW Kassel fährt nach Einigung die Produktion wieder hoch
Nach der Einigung mit einem wichtigen Teile-Zulieferer fährt das VW-Werk Kassel-Baunatal seine Getriebeproduktion wieder hoch. Am Donnerstag werde die volle Kapazität wieder erreicht, berichtete am Dienstag ein Sprecher des einzigen VW-Werks in Hessen. Bereits geplante Arbeitsunterbrechungen von Donnerstag bis einschließlich Montag wurden wieder aufgehoben.

Die ebenfalls von dem zwischenzeitlichen Lieferstopp betroffene Produktion von Abgasanlagen soll erst am Montag wieder mit ganzer Kraft fahren. So solle verhindert werden, dass in den Montagewerken zu viele Teile angeliefert werden. »Wir müssen die Linien wieder sauber befüllen«, sagte der VW-Sprecher.

Seit der vergangenen Woche waren wegen fehlender Gussteile immer wieder einzelne Schichten abgesagt worden. Davon seien rund 1500 Mitarbeiter in unterschiedlicher Intensität betroffen gewesen, erläuterte der Werksprecher. Angaben zum wirtschaftlichen Schaden könne er nicht machen.

Am Dienstag hatten VW und der Zulieferer Prevent ihre beispiellose Machtprobe beendet und sich nach 20-stündigen Verhandlungen auf eine Wiederaufnahme der Zulieferungen geeinigt. Wegen des Lieferstopps standen bei dem Autobauer viele Bänder still: Der Konzern wartete auf Getriebeteile von ES Automobilguss und Sitzbezüge von Car Trim.

14.15 Uhr: Nach Einigung - Lkws rollen wieder bei Zulieferer ES Automobilguss
Nach der Einigung zwischen VW und den beiden Zulieferern rollen auf dem Betriebsgelände der ES Automobilguss GmbH im erzgebirgischen Schönheide wieder die Lastwagen. Gegen Mittag verließen die ersten Lkws von Volkswagen den Betrieb - beladen mit Paletten voller dringend benötigter Getriebeteile. »Dennoch ist die Unruhe im Betrieb damit noch nicht vorbei«, sagte Franziska Wolf von der Gewerkschaft IG Metall am Dienstag vor der für den frühen Nachmittag angesetzten Betriebsversammlung. ES Automobilguss liefere bis zu 80 Prozent an den Volkswagen-Konzern und sei auf Folgeaufträge angewiesen. Es gebe die Befürchtung in der Belegschaft, dass man mit dem Lieferboykott Vertrauen verspielt habe. »Die Kollegen machen sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze«, so Wolf.

In der Betriebsversammlung soll es um einen darum gehen, wie es zu dem Lieferstopp kam und zum anderen, wie die langfristige Perspektive für den Standort aussieht. »Wir wollen Antworten von der Geschäftsführung.«

Update 10.30 Uhr: Offenbar Lösung im VW-Zuliefererstreit
Im Lieferstreit bei Volkswagen gibt es nach Angaben aus Verhandlungskreisen eine Lösung. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur nach stundenlangen Verhandlungen mit VW und zwei Zulieferern am Dienstag. Auch laut einem Bericht der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung« ist der Konflikt beigelegt. Nach 19-stündigen Verhandlungen hätten die Unternehmen am Dienstagvormittag eine langfristige Partnerschaft geschlossen, berichtete die Zeitung. Die Teilelieferung solle so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden. Die beiden in Sachsen ansässigen Zulieferfirmen ES Guss und Car Trim hatten sich tagelang geweigert, Getriebeteile beziehungsweise Sitzbezüge an den VW-Konzern zu liefern, da dieser Schadenersatzzahlungen bei einem gestrichenen Auftrag verweigere. Beide Firmen gehören zur Unternehmensgruppe Prevent. Der Lieferstopp betrifft laut Volkswagen knapp 28.000 Beschäftigte; in einigen Werken führte der Hersteller teilweise Kurzarbeit ein.

Politiker kritisieren Autokonzern

Berlin. Das Vorgehen von Volkswagen im Streit mit den Zulieferern hat bei Politikern sowohl von Regierung als auch von Opposition für Verärgerung gesorgt. Ein Konzern, der die durch das eigene Handeln entstehenden Folgekosten auf die Allgemeinheit abwälzt - nicht das erste Mal passiert das. VW hat Kurzarbeit für Zehntausende Beschäftigte beantragt, weil die Bänder wegen eines Streits des Managements mit Zulieferern stillstehen. Die »Bild«-Zeitung berichtete unter Berufung auf interne Schätzungen, die Zahlung für VW-Beschäftigte könnte rund zehn Millionen Euro pro Woche kosten. Die Summe sei abhängig davon, wie viele der 28.000 bedrohten Mitarbeiter in den sechs Werken letztlich in Kurzarbeit gehen.

Der Linken-Politiker Klaus Ernst sagte gegenüber dem Deutschlandfunk, sollte sich herausstellen, dass VW an der Eskalation des Streit selbst schuld sei, müsse das Unternehmen die Kosten des Produktionsstopps und der Kurzarbeit alleine tragen. »Die Mitarbeiter müssen natürlich Geld kriegen. Denn die bieten ihre Arbeitskraft an, aber der VW-Konzern hat mit diesen Beschäftigten einen Vertrag und den hat er einzuhalten«, so Ernst.

Der CDU-Arbeitsmarktexperte Karl Schiewerling sagte der »Süddeutschen Zeitung«, Kurzarbeit sei »keine Streikkasse für Unternehmen, die sich im Wirtschaftskampf befinden und eingegangene Verträge mutwillig nicht einhalten.« Die Kosten des Streits zischen VW und den Zulieferern dürften nicht Dritten aufgebürdet werden. »Das Kurzarbeitergeld ist nicht dafür gedacht, dass man seine Nachfragemacht auf dem Buckel der Beitragszahler finanziell absichert«, empörte sich auch der CSU-Politiker Hans Michelbach. Ähnlich äußerte sich Thomas Gambke von den Grünen gegenüber der »Rheinischen Post«. Es sei »nicht in Ordnung, dass der Beitragszahler belastet wird, weil ein Konzern mit seinen Zuliefererfirmen einen kaufmännischen Konflikt ausficht. Das geht gar nicht.«

Mit Kurzarbeit können Unternehmen auf einen Auftragseinbruch reagieren, ohne gleich Mitarbeiter zu entlassen. Dafür wird vorübergehend die betriebliche Arbeitszeit gekürzt. Für den Verdienstausfall der Beschäftigten springt auf Antrag die Bundesagentur für Arbeit mit dem Kurzarbeitergeld ein, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Grundsätzlich könne bei der Entscheidung über Kurzarbeitergeld »auch ein Mangel an Rohstoffen oder Halbfertigwaren in Betracht kommen«, zitierte die »Rheinische Post« das Bundesarbeitsministerium. Außerdem werde geprüft, ob der Arbeitsausfall vermeidbar sei, hieß es dort. Die endgültige Entscheidung würde von den zuständigen Arbeitsagenturen gefällt.

Die beiden in Sachsen ansässigen Zulieferfirmen begründen den Lieferstopp mit einer angeblichen Weigerung von VW, Schadenersatzzahlungen bei einem gestrichenen Auftrag zu bezahlen. Nach einem Pressebericht soll es um Forderungen in Höhe von 58 Millionen Euro gehen. Volkswagen lehnt die Summe demnach aber als nicht plausibel begründet ab. Agenturen/nd

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