Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

H&M ließ Kinder für sich schuften

Jahrelang arbeiteten in Myanmar Minderjährige für den Textilkonzern

  • Von Bengt Arvidsson, Stockholm
  • Lesedauer: 3 Min.

Immer wieder Kinderarbeit. Die preiswerten Kleider des schwedischen Kleiderhändlers Hennes und Mauritz (H&M) haben ihren Preis. Das kommende Woche erscheinende schwedische Sachbuch »Modesklaven«, (Modeslavar, Verlag Leopard), hat bereits im Vorfeld für neue Kritik am expandierenden Modegiganten gesorgt.

Laut den Autoren Moa Kärnstrand und Tobias Andersson Akerblom arbeiteten zum Zeitpunkt der Recherche in den H&M-Zulieferfirmen in Burma zahlreiche Kinder, oft bis zu 14 Stunden am Tag. »Fast zwei Jahre lang haben minderjährige Mädchen bis zu 14 Stunden am Tag in den dortigen Fabriken für H&M gearbeitet. Das ist gegen das burmesische Gesetz und wird laut internationaler Konvention als eine der schlimmsten Formen der Kinderarbeit klassifiziert«, sagt Andersson Akerblom dieser Zeitung.

Bei Einstellung älter gemacht

H&M beruft sich darauf, dass es in Burma erlaubt sei, Kinder ab 14 Jahren in den auch von der Arbeitsplatzsicherheit her oft bedenklichen Fabriken arbeiten zu lassen. »Die erlaubte Altersgrenze ist 14 Jahre«, sagt Katarina Gustafsson von H&M der Zeitung »Expressen«. »Deshalb handelt es sich hier nicht um Kinderarbeit.« Nur Überstunden der Kinder sind nicht erlaubt in Burma. H&M hat seine Zulieferfirmen in Burma auf die Richtigkeit der Angaben der Autoren hin untersuchen lassen. Laut den Kontrolleuren sollen tatsächlich Kinder dort arbeiten und Überstunden leisten. Sie hätten sich bei ihrer Anstellung mit falschen Ausweisen älter gemacht, als sie sind, heißt es vom Konzern.

H&M hat nun zumindest die Zusammenarbeit mit den zwei explizit in dem Buch genannten Fabriken ausgesetzt. Die bereits bestellte Ware nimmt man aber noch entgegen. »Wir haben einen Maßnahmenplan eingefordert und Neubestellungen bei diesen Lieferanten gestoppt«, so Gustafsson. »Dass Jugendliche entgegen bestehenden Regeln Überstunden machen, ist nicht akzeptabel für H&M.« Ihr Konzern bemühe sich durch tausende von jährlichen Kontrollen Missstände bei Zulieferern aufzudecken, unterstreicht sie.

Flüchtlingskinder in der Türkei

Alice Blondel von der schwedischen Organisation Swedenwatch kritisiert H&M dennoch wegen seiner Kontrollpolitik. »Es ist gut, dass H&M nun reagiert, aber es ist sonderbar, dass dies immer erst geschieht, nachdem ein dritter Akteur Alarm schlägt«, kritisiert sie im Buch. Auch habe sich der Konzern bislang geweigert, Swedenwatch eine konzerneigene Analyse über die Arbeitnehmersituation in Burma auszuhändigen. Angeblich wegen der Konkurrenz.

Das erst vor wenigen Jahren für ausländische Firmen geöffnete Burma ist das neue Bangladesch für die internationale Textilindustrie, die ihre Produktion immer wieder dynamisch in noch billigere Länder verlegt. Und immer wieder gerät H&M in die Kritik wegen neuer Enthüllungen zu Kinderarbeitern in seinen Zuliefererfirmen. Der Konzern reagiert stets verständig darauf und gelobt Verbesserungen. Erst im Februar wurde bekannt, dass H&M und andere Firmen in der Türkei Flüchtlingskinder für sich haben arbeiten lassen. H&M gab dies im Fall einer Fabrik auch zu und gelobte auch dort Besserung.

Obwohl Kinderarbeit immer wieder für Kopfschütteln in der westlichen Welt sorgt, gibt es in armen Ländern wie Bangladesch die überraschend weit verbreitete gesellschaftliche Auffassung, dass es besser sei, arme Kinder in Fabriken arbeiten zu lassen, als sie zur Prostitution oder zum Betteln auf die Straße zu schicken. Auch hätten Firmen wie H&M in Produktionsländern zehntausende Arbeitsplätze gerade auch für Frauen geschaffen und viel für die Produktionsländer getan, wird unterstrichen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln