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»Wir wollen weiter Trendsetter sein«

Die neue Nationaltrainerin Steffi Jones stellt in Frankfurt ihr Konzept für die Nachfolge von Silvia Neid vor

  • Von Frank Hellmann, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 4 Min.

Mit schwarzer Tuchhose, modischer Bluse und stilvollem Blazer betrat Steffi Jones den fensterlosen Raum im Frankfurter Flughafenhotel. Federnder Schritt, selbstbewusste Haltung, smartes Lächeln. Und dazu bereits das Mikrofon am Ohr eingehakt. So sehen Businessfrauen aus, wenn sie an diesem Ort ausgefeilte Vorträge halten. Nichts anderes tat am Mittwochmorgen auch die Person, die künftig für die deutsche Frauennationalmannschaft das Sagen hat. Mit einer beeindruckenden Powerpoint-Präsentation stellte sich die 43-Jährige nicht nur der extra eingeladenen Schar der Trainerkollegen aus der Frauen-Bundesliga vor, sondern in Kurzform bekam auch die Öffentlichkeit zu sehen, was die neue Bundestrainerin zu tun gedenkt, um dem deutschen Frauenfußball Erweckungserlebnisse wie den jüngst errungenen Olympiasieg unter ihrer Vorgängerin Silvia Neid zu erhalten.

Jones (»Ich werde den Fußball nicht neu erfinden, aber ich will an Erfolge anknüpfen«) wird keine Revolution anzetteln, aber doch Reformen angehen. Dazu gehört schon eine Ansprache, derer sich die bisweilen sperrige Neid nie bedient hätte. Das Motto: »KISS - keep it smart & simple!« stand etwa auf der ersten Folie. Zudem wurden Leitbilder, Positionsprofile und Spielvisionen gezeigt - in derartiger Form hat so etwas nur Jürgen Klinsmann gewagt.

Qualität gehe vor Quantität, um Erfolge zu feiern, führte Jones aus. Für die EM 2017 in den Niederlanden sei der Titel das Ziel, »wir wollen weiter Trendsetter sein - wenn wir etwas machen, dann richtig«. Ihr sei bewusst, dass die Erwartungshaltung durch die Krönung Neids beim Olympischen Fußballturnier nicht kleiner geworden ist. »Eine Bürde war das schon vorher. Ich weiß, was ich kann«, erklärte die 111-fache Nationalspielerin, »ich hätte die Aufgabe nicht übernommen, wenn ich gedacht hätte, dass ich sie nicht meistern werde.«

Ihre vielfältigen Tätigkeiten - OK-Präsidentin, Direktorin, zuletzt Assistentin unter Neid - haben die Powerfrau noch selbstbewusster gemacht. Sie sei nicht »wischiwaschi, sondern straight«. Geradeaus also will sie gehen, und dafür hat sich die gebürtige Frankfurterin, die zwar mit der erforderlichen Lizenz, aber nur bedingter Trainererfahrung ausgestattet ist, bewusst eine Frau und einen Mann als Assistenten geholt: Verena Hagedorn, 34, ehemalige Nationalspielerin, zuletzt Verbandssportlehrerin, und Markus Högner, 49, ehemaliger Zweitligaprofi bei Alemannia Aachen, zuletzt Trainer des Frauen-Bundesligisten SGS Essen. Vorgesehen ist eine weitere Professionalisierung im Team hinter dem Team, zu dem künftig vier statt drei Physiotherapeuten und zwei statt einem Mediziner gehören. Pikant: Die bisherige Teammanagerin Doris Fitschen werde nur noch »punktuell bei der Mannschaft« (Jones) sein und sich auf ihre Marketingaktivitäten beschränken. Stecken dahinter persönliche Animositäten? Sicher ist, dass die Hierarchien auf dem Platz neu geordnet werden müssen, nachdem Saskia Bartusiak (33), Annike Krahn (31) und Melanie Behringer (30) fast noch in Rio de Janeiro ihren Rücktritt erklärten. Wer künftig die Kapitänsbinde trägt, wisse sie schon, verrate sie aber noch nicht, sagte Jones.

Die ersten Länderspiele unter ihrer Regie - EM-Qualifikation in Russland (16. September) und Ungarn (20. September) - werden keinen größeren Aufschluss geben. Da man bereits qualifiziert ist, soll nach Rücksprache mit den Vereinstrainern ein Teil der vielbelasteten Olympia-Heldinnen geschont werden. Jones strebt eine verbesserte Kommunikation mit der Liga an. Deren stetes Grummeln über so manchen Alleingang von Neid hatte sich nach der durchwachsenen WM 2015 teils zum lauten Protest gesteigert und mündete in gegenseitige Schuldvorwürfe. Die Wogen hat die Nachfolgerin gestern endgültig geglättet. »Es ist schön, dass man über Dinge sprechen kann, die kritisch sind«, merkte Thomas Wörle vom Meister FC Bayern an. »Wichtig ist, dass man miteinander statt übereinander redet«, befand Inka Grings vom MSV Duisburg. »Ich habe vom ersten Punkt ein gutes Gefühl«, urteilte Ralf Kellermann vom Pokalsieger VfL Wolfsburg. Da hatte offenbar jemand mit seiner Präsentation vollumfänglich überzeugt. Aber dafür hatte sich Steffi Jones ja auch in Schale geworfen. Ähnlich wird sie auch am Spielfeldrand auftauchen. Antwort auf die Frage, ob die neue Bundestrainerin denn Hosen- oder Trainingsanzug trage: »Sportlich chic«.

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