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Konsum statt Kultur

Bereits vor neun Jahren wurde das Kino Sojus in Marzahn-Hellersdorf geschlossen, jetzt soll es abgerissen werden

»Alles wird gut«, sagt der Marzahn-Hellersdorfer Stadtentwicklungsstadtrat Christian Gräff (CDU). Aus seiner Sicht ist das, was künftig auf dem Helene-Weigel-Platz passiert, »die beste Lösung für ein großes Problem«. Schließlich habe der östliche Bereich des zentralen Platzes zusehends an »stadträumlicher Attraktivität eingebüßt«. Vor allem das seit neun Jahren geschlossene Kino sei zum Schandfleck verkommen.

Der zunächst von einem Investor geplante Supermarkt war dem Bezirk zu wenig. 2014 präsentierte das Stadtplanungsamt dann ein Entwicklungskonzept, und 2015 kam der Durchbruch, wie es der Stadtrat jetzt formuliert. Mit einem Bauträger wurden Vorverträge zum Eigentümerwechsel unterzeichnet. Noch gehört das Kino zwar einer Privatperson, doch die Verhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss, so dass das international tätige Unternehmen ins Grundbuch eingetragen wird. Was künftig im östlichen Bereich des Platzes entsteht, erklärt Architekt Matthias Faust. Geplant ist ein langgezogenes, dreigeschossiges Gebäude mit rund 3000 Quadratmeter Fläche. In das Erdgeschoss zieht ein Supermarkt ein, darüber sind Angebote für Betreutes Wohnen vorgesehen sowie Räume für die Tagespflege. »Etwa 100 Personen können dann insgesamt versorgt werden«, sagt Faust. Zurzeit liefen Gespräche mit mehreren Betreibern.

Ein neues Parkhaus soll auch entstehen. »Anstatt bislang 246 stehen dann 280 Parkplätze zur Verfügung«, sagt Gräff. Im nächsten Frühjahr rollen die ersten Bagger an. »Wir gehen davon aus, dass 2018 die Umgestaltung abgeschlossen ist.«

Kritisiert wird der geplante Abriss des einstigen Vorzeigekinos von den Marzahn-Hellersdorfer LINKEN. »Mit dieser Entscheidung verschwindet nicht nur ein Kulturstandort, sondern damit ignoriert der Stadtrat auch vielfältige Vorschläge, die 2015 in einem Workshop zur Zukunft des ›Sojus‹ von Bürgern, Kulturschaffenden und Freien Trägern entwickelt wurden«, erklärt der Fraktionsvorsitzende Bjoern Tielebein. »Wir brauchen keine weitere Kaufhalle, Kultur aber sehr wohl«, das forderte ein Anwohner. Viele Betroffene stimmten ihm zu.

Eine kulturelle Nutzung des 35 Jahre alten Objektes sei aufgrund seines Bauzustandes nicht mehr möglich gewesen, entgegnet Gräff. Der Abriss wäre die einzig verbleibende Option. »Das dicht besiedelte Wohngebiet um den Helene-Weigel-Platz braucht aber kulturelle Angebote, dafür muss künftig verstärkt das alte Marzahner Rathaus genutzt werden«, fordert deshalb die Linksfraktion. Man sei dazu schon mit der Berliner Immobilienmanagement (BIM) im Gespräch, sagt der Stadtrat. »Ich bin auch dafür, dass es im Ratskeller kulturelle Angebote geben sollte.« In den nächsten Jahren wird dieses Gebäude saniert.

Dass der historische Schriftzug »Sojus« erhalten bleibt, steht indes außer Frage. Entweder wird er im Neubau integriert oder vielleicht im Bezirksmuseum ausgestellt.

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