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Nachholbedarf an Sachsens Hochschulen

Studie zeigt: Sachsen hinkt bei Inklusion hinterher

Dresden. Inklusion bleibt an Sachsens Hochschulen vorerst noch eine Vision. Einer Studie zufolge stehen im Freistaat die Universitäten, Hochschulen und Forschungszentren noch am Anfang dieses Weges. »Es gibt noch keine sächsische Hochschule, die wir als inklusiv bezeichnen können«, sagte Kathrin Rieger, Geschäftsführerin der Leipziger Entwicklungsgesellschaft Zarof GmbH. Allerdings gebe es viele gute Einzelbeispiele.

Vor allem beim Thema Mobilität seien die Hochschulen schon recht weit. So sind der Studie zufolge 43 der 47 untersuchten Mensen und Cafeterien an staatlichen Hochschulen barrierearm.

Noch mehr Nachholbedarf gebe es beim kommunikativen Zugang für Studierende und Beschäftigte. Es fehle an »taktilen Systemen« für Hör- und Sehbehinderte. Eine gleichberechtigte Teilhabe erfordere »ein absolut anderes Denken«: Gesundheitlich beeinträchtigte seien nicht per se behindert, sie würden behindert.

Für die qualitative Studie wurden 233 Personen befragt, darunter 47 Menschen mit Behinderungen. Untersucht wurden neben Barrierefreiheit und Beratungsangeboten auch Prüfungs- und Lehrsituationen sowie Karrierechancen, Nachteilsausgleiche und Möglichkeiten der Beschäftigung. Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) betonte: Inklusion sei nicht nur eine Frage des Geldes, sondern sie benötige »Bewegung in den Köpfen«, eine »Systemveränderung«. Dabei gelte es auch, andere Kommunikationsformen zu finden als ausschließlich die Sprache. »Wir stehen am Anfang eines Prozesses, der in den nächsten Jahren umzusetzen ist«, fügte sie hinzu.

Beteiligt waren an der Studie 14 staatliche Hochschulen, die Berufsakademie Sachsen, die Sächsische Landesbibliothek in Dresden sowie Landesforschungseinrichtungen. »Wir sind bei allen Einrichtungen auf große Offenheit, aber auch auf viel Unsicherheit beim Umgang mit dem Thema gestoßen«, sagte Rieger. Als positiv bewertet die Studie unter anderem das Beratungsangebot des Studentenrates an der Leipziger Universität oder den Campusnavigator mit taktil gedruckten Flyern und Chatmöglichkeit zur Studienberatung. Im Vergleich zu anderen Bundesländern stehe Sachsen beim Thema Inklusion »in der Mitte«, sagte Rieger.

Bundesweit haben 14 Prozent der Studierenden gesundheitliche Beeinträchtigungen, in Sachsen sind an den staatlichen Hochschulen etwa fünf Prozent mobilitäts- oder hör- und sprechbeeinträchtigt sowie rund zehn Prozent sehbeeinträchtigt. Mehr als ein Drittel leiden laut Wissenschaftsministerium unter einer psychischen Beeinträchtigung und etwa 17 Prozent unter chronischen Krankheiten. Sachsen hatte 2015 und 2016 für die Inklusion an Hochschulen jeweils zwei Millionen Euro bereitgestellt.

Derzeit läuft in Sachsen zudem eine Kampagne unter dem Slogan »Behindern verhindern - Zeit für barrierefreies Handeln«. Mit Großplakaten, Postkarten, einer Website und einem Kinospot will die Regierung für Bedürfnisse Betroffener sensibilisieren. Die Kampagne ist Teil des Aktionsplanes zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Konkrete Maßnahmen sollen im Herbst auf den Weg gebracht werden. epd/nd

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