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Baaske: Keine Altersteilzeit mehr für Lehrer

Das neue Schuljahr in Brandenburg beginnt mit den alten Problemen

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Insgesamt 225 Seiteneinsteiger haben den Weg an Brandenburgs Schulen gefunden, darunter eine Reihe von Studienabbrechern. Auch sie sollen die 2016 ausgeschiedenen 600 Pädagogen ersetzen. Die Hälfte der Seiteneinsteiger setzte die Ausbildung parallel zum Schuldienst fort, um künftig in die Vorzüge des ordentlichen und verbeamteten Lehrers zu kommen, sagte Bildungsminister Günter Baaske (SPD) am Donnerstag zum Schuljahresauftakt in Potsdam.

Das Durchschnittsalter der neu eingestellten Lehrer beträgt 37,4 Jahre, was Baaske damit erklärt, dass 199 junge Lehrer nach Brandenburg wechseln, um den begehrten Beamtenstatus zu erringen. Dass aber Lehrer aus Berlin lediglich nach Brandenburg kämen, um dann als Beamte wieder dorthin zurückzugehen, habe Berlin unterbunden. Allerdings sei es die Frage, ob nicht auch Berlin nach den Wahlen wieder damit beginne, seine Lehrer zu verbeamten. Brandenburg werde mit der Verbeamtung jedenfalls nicht Schluss machen. Das Beispiel Sachsen zeige, dass man so keine neuen Lehrer bekomme. Sein Vorschlag, neue Lehrer per Gehaltserhöhung in die Weiten des Landes zu locken, habe nicht gefruchtet, so Baaske. Doch ihm bereite weiter Sorgen, dass das benachbarte Mecklenburg-Vorpommern seine Grundschullehrer besser bezahle.

Vor einem Jahr hatte sich Baaske öffentlich beschwert, dass eine Reihe von Lehrern sich zum Ferienbeginn gesund schreiben ließen, um pünktlich zum Schuljahresbeginn eine Krankschreibung einzureichen. »Es ist wieder so«, sagte er jetzt, und schilderte den Fall einer Schule in Ostbrandenburg, deren Leitung zum 1. September drei Krankmeldungen entgegenzunehmen hatte. »Das ist eine schwierige Situation, dort wird nach einem Notfallplan gearbeitet.« Es sei die Dimension, die ihm Sorgen bereite. Brandenburg sei mit rund 500 dauerkranken Lehrern konfrontiert. Daher gebe es 81 unbesetzte Stellen, die meisten in Ostbrandenburg.

Die hohe Zahl neuer Lehrer hänge auch damit zusammen, dass in Brandenburg inzwischen 6000 Flüchtlingskinder zur Schule gehen. In Einzelfällen hätten diese Kindere dazu beigetragen, dass Schulschießungen vermieden werden konnten. So habe es im laufenden Jahr keine Schließung einer staatlichen Schule, wohl aber die neun Neueröffnung - darunter vier Privatschulen - gegeben.

Auf die Frage, ob der Lehrermangel nicht auch Frucht der Landespolitik mit großzügiger Altersteilzeit, Bildungsurlaub und Stunden-Minderung sei, sagte Baaske, Altersteilzeit werde künftig nicht mehr gewährt, auch wenn die Gewerkschaft dagegen mobil mache. Derzeit würden noch Altverträge auslaufen. Dass brandenburgische Lehrer weniger arbeiten müssen als in anderen Bundesländern, habe auch zu einer höheren Bewerberrate geführt als in anderen Ländern.

Auf der Suche nach neuen Lehrern werde man auch in Polen fündig, wenn auch nur in Einzelfällen, erklärte Baaske. Dabei gehe es keineswegs nur um Polnisch-Unterricht, sondern um die Besetzung von Mangelfächern. Voraussetzungen seien aber entsprechend gute Deutschkenntnisse der polnische Pädagogen.

Brandenburg benötigt künftig jährlich rund 1000 neue Lehrer, gewinnt selbst aber nur 450 Absolventen an der Universität Potsdam. Der Bildungsminister räumt ein, dass dies »nicht befriedigend« sei, zumal die Kultusministerkonferenz gefordert habe, dass jedes Land die Zahl an Lehrern ausbildet, die es benötige.

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