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Myanmar: Dialog mit Gerangel um Rangabzeichen

Konferenz soll den Willen zu Frieden und Verständigung zwischen den zahlreichen Ethnien des Landes fördern

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Nach vier Tagen fiel die Zwischenbilanz positiv aus. Und Aung San Suu Kyi rief die Delegierten in ihrer Abschlussrede auf, »mit Mut in die Zukunft zu schauen«, statt immer nur den Blick in die Vergangenheit zu richten. Und konstatierte, dass diese erste Konferenzrunde eben nicht mehr sei als ein Anfang, den man jetzt geschafft habe. Der erste Schritt auf einem Weg, der noch lang und steinig sei. Wie viele Hürden auf ihm lauern, darauf gab es bereits einen Vorgeschmack. Frustrationen entzündeten sich bereits an Kleinigkeiten.

Etliche Delegierte der rund 20 mit am Konferenztisch sitzenden Rebellengruppen beklagten, dass ihre militärischen Ränge weder auf den Namensschildchen noch im Protokoll vermerkt waren - aus ihrer Sicht ein Zeichen mangelnden Respekts und fehlender Gleichberechtigung gerade mit den Vertretern der Armee, die wiederum in Uniform samt Rangabzeichen in der Runde saßen. Die Abgesandten des Militärs, das in Myanmar über fünf Jahrzehnte regierte und noch immer großen Einfluss hat, beriefen sich in ihren Statements immer wieder auf die 2008 zum Ende der Diktaturzeit in Kraft gesetzte Verfassung. Alle weiteren Prozesse müssten nach deren Vorschriften erfolgen. Das dürfte schwierig werden, denn gerade den Rebellengruppen der diversen ethnischen Minderheiten schwebt eine umfassende Neuordnung des Staates vor.

Der United Nationalities Federal Council (UNFC), die wichtigste Dachorganisation mit elf Mitgliedsorganisationen, legte bereits sehr konkrete Vorschläge auf den Tisch, wie die in ihm zusammengeschlossenen Gruppen sich den künftigen Föderalismus mit acht neuen Teilstaaten vorstellen würden.

Die am vergangenen Mittwoch begonnene Konferenz, so viel war von vornherein klar, war nicht mehr als eine Bestandsaufnahme: 72 Delegierte nutzten die ihnen jeweils zugestandenen zehn Minuten, um ihre grundsätzlichen Statements abzugehen. Eine allgemeine Positionsbestimmung, aus der sich nun aber zumindest der weitere Fahrplan herausfiltern lässt. Bis zur nächsten Zusammenkunft in sechs Monaten soll ein prinzipieller Rahmen stehen, nach dem dann der eigentliche Dialogprozess abgehalten wird. Schon diese Vorbereitung für Konferenzrunde zwei bedeutet reichlich Arbeit und wird nicht ganz einfach werden.

Auf wie viele Details es ankommt und wie schnell vermeintliche Nebensächlichkeiten große Wirkung entfalten, zeigte sich beim Auszug der United Wa State Army (UWSA). Die Delegierten dieser Gruppe, eine der beiden mächtigsten Rebellenarmeen, verließen die Panglong-Konferenz schon am Freitag, weil ihre Schilder sie fälschlich nur als Beobachter statt reguläre Delegierte auswiesen. Ein Fauxpas der Konferenzverwaltung, den die Regierung mit einer formellen Entschuldigung an die UWSA so gut wie möglich in den Negativfolgen abzumildern versuchte. Dass insgesamt so viele Rebellenverbände erschienen waren, die zudem ebenso wie die Regierungsseite umfassende Dialogbereitschaft signalisierten, wurde allerdings als Erfolg gewertet.

Nachholbedarf bzw. zusätzliche Herausforderungen für die nächste Runde gibt es allerdings. Drei der noch immer offiziell im Kriegszustand befindlichen Rebellengruppen hatten erst gar keine formelle Einladung erhalten, weil sie sich geweigert hatten, vorübergehend die Waffen niederzulegen. Und auch etliche der Klein- und Kleinstparteien, die es bei den ersten wirklich freien und demokratischen Wahlen vergangenen November nicht mit einem einzigen Abgeordneten ins Parlament geschafft hatten, fühlten sich ausgegrenzt. Sie hätten sich einige der insgesamt 750 Delegiertensitze teilen sollen. Auch fortgesetzte Kämpfe in einigen Konfliktregionen und der Tod eines Rebellengenerals überschatteten die Konferenztage.

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