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Kippt die Biathlon-WM in Russland?

Nach dem Dopingskandal empfahl das IOC, Weltmeisterschaften vorerst nicht nach Russland zu vergeben, doch die Biathleten durften es

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Oberhof ist gescheitert. Das war die Nachricht in den deutschen Medien zur Vergabe der Biathlon-Weltmeisterschaften 2020 und 2021 am vergangenen Sonntag, als der Thüringer Wintersportort bei seiner Bewerbung um die Titelkämpfe 2020 Antholz den Vortritt lassen musste. So etwas passiert schon mal. Die Niederlage kam auch nicht überraschend, bedenkt man die seit Jahren schleppenden Modernisierungsbemühungen der Arena am Grenzadler in Oberhof und den hohen Standard, der mittlerweile von WM-Kandidaten verlangt wird. Dass es aber auch einen kleinen Skandal gab, bekam hierzulande kaum jemand mit: Die WM 2021 wurde an Tjumen vergeben.

Die westsibirische Halbmillionenstadt hat zwar noch nie einen Weltcup ausgetragen, aber der Weltverband IBU will seit Jahren seine Ausrichterauswahl vergrößern und hatte Tjumen bereits für Europa- und Sommerweltmeisterschaften ausgewählt. Nun also das Flagschiff: die WM im Winter. Alles kein Problem, wäre da nicht eine Forderung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die eine WM-Vergabe nach Russland derzeit ausschließt. Zumindest dachte man das bis zum Sonntag.

Am 19. Juli hatte die IOC-Exekutive kurz nach der Veröffentlichung des McLaren-Reports die »härtesten Sanktionen« angekündigt. Demnach verzichte man bis auf Weiteres auf die Unterstützung von Sportveranstaltungen in Russland. Wegen der Manipulationen von Dopingproben bei den Winterspielen in Sotschi 2014 empfahl man zudem »allen Olympischen Wintersportverbänden, Vorbereitungen für große Veranstaltungen – also Weltmeisterschaften oder Weltcups – in Russland einzufrieren.« Die Verbände sollten »aktiv nach anderen Organisatoren suchen«.

IBU-Präsident Anders Besseberg erklärte Wochen später jedoch, bei einem Treffen in Rio dahingehend aufgeklärt worden zu sein, dass diese Regeln nur für künftige Kandidaturen aus Russland gelten würden. Jedes Turnier, das bereits an Russland vergeben wurde, wie die Fußball-WM 2018, bleibe also unangetastet.

Dass aber selbst jene Veranstaltungen unter diesen Schutz fallen, für die sich Russland nur beworben hat, in diesem Fall also die Biathlon-WM, widerspricht augenscheinlich der angeblichen »Null-Toleranz-Politik«, die sich IOC-Präsident Thomas Bach so gern auf die Fahne schreibt. Warum soll man bereits begonnene Vorbereitungen für eine vergebene Veranstaltung einfrieren und sogar nach Alternativausrichtern suchen, wenn man gleichzeitig Titelkämpfe an Städte vergeben darf, die mit solchen Präparationen noch gar nicht begonnen haben? Starke Alternativkandidaten hatte es mit Pokljuka und Nove Mesto übrigens gegeben.

Erlend Slokvik, Präsident von Norwegens Biathlonverband bezeichnete die WM-Vergabe bereits als »Skandal«. Es gebe »mehrere verzweifelte Länder, die um den Ruf unseres Sports besorgt sind, wenn wir die WM in ein Land geben, dass kein funktionierendes Antidopingsystem hat. Aber die kleinen Länder und die aus dem alten Ostblock haben für Tjumen gestimmt.« Der alte Ost-West-Konflikt scheint im Biathlonweltverband wieder offen ausgetragen zu werden.

Auch IBU-Präsident Besseberg ist übrigens Norweger, jedoch war er nie aktiver Dopingbekämpfer. Zudem sei die WM-Vergabe keine Entscheidung der IBU gewesen, sondern die von Delegierten der nationalen Verbände auf dem IBU-Kongress in Moldau. Eine schwache Ausrede, war doch die IBU zuständig dafür, welche Bewerber zur Wahl zugelassen werden. Schon hier hätte man mit Verweis auf die IOC-Empfehlung Tjumen streichen können.

Auch dem olympischen Dachverband scheint die allerdings kaum noch etwas wert zu sein: »Das IOC weiß um die Entscheidung der IBU und wird seine Gespräche mit den internationalen Wintersportverbänden über die praktische Umsetzung der Empfehlung fortsetzen«, teilte ein Sprecher am Montag nichtssagend mit.

Abgeschlossen ist der Fall trotzdem noch nicht, denn die IBU reagierte am Mittwoch auf die herbe Kritik: Sie halte sich offen, bei positiven Nachtests russischer Biathleten von den Winterspielen 2014 in Sotschi die WM-Vergabe für 2021 rückgängig zu machen. »Das ist problemlos möglich«, sagte Besseberg der Nachrichtenagentur AP. Dafür müssen die Delegierten offenbar nicht mehr gefragt werden. Im McLaren-Report ist im Übrigen zu lesen, dass zehn positive Proben vom Moskauer Labor vertuscht wurden. Die von Sotschi wurden gleich ganz ausgetauscht, so dass kaum noch mit positiven Analysen gerechnet werden kann. Besseberg wird wissen, warum er diese Kontrollgruppe für seine Entscheidung wählte.

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