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Mehr als nur ein »Zimmermädchen«

Eine langjährige Reinigungskraft wehrt sich erfolgreich gegen den unzulässigen Rauswurf nach mehreren ungültigen Abmahnungen

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Meistens sind die schlecht bezahlten Hotelreinigungskräfte, die täglich für frische Wäsche und aufgeräumte Zimmer sorgen, unsichtbar. Doch jetzt hat sich eine dieser prekär beschäftigten Schwerarbeiterinnen erfolgreich gewehrt: Mit Rechtsschutz des DGB klagte die 41-jährige Frau aus dem baden-württembergischen Pfäffingen erfolgreich vor dem Reutlinger Arbeitsgericht gegen ihre Entlassung und erhielt immerhin 2000 Euro Entschädigung.

Das Hotel »Stadt Tübingen« hatte die Frau an die Hotelservice GmbH von Karl Zingsheim outgesourct. Diese hatte ihr bis Anfang April 2012 insgesamt sechs Abmahnungen geschickt: Sie habe ihre Arbeitsleistung nicht erfüllt, lautete der Vorwurf. Die für das Zimmer eines Vier-Sterne-Hotel vorgesehene Reinigungszeit von 20 Minuten pro Zimmer sei gar nicht zu schaffen gewesen, argumentierte dagegen die aus Brasilien stammende Reinigungskraft. Silermone N. konnte nachweisen, dass sie mehrmals unbezahlte Überstunden machten musste, um die Arbeit überhaupt zu schaffen. Arbeitsrichter Wolfram Haid gab ihr nun Recht, wenn auch aus formalen Gründen: Weil zwischen den Abmahnungen und der Kündigung kein neuerlicher Verstoß gemeldet wurde, war die Entlassung rechtswidrig, die Betroffene muss entschädigt werden.

Das Urteil wirft ein Schlaglicht auf die Ausbeutungspraktiken im Hotelreinigungsgewerbe – für die nun die Zingsheim Hotel – Service GmbH stellvertretend steht. Die im vergangenen Jahr gegründete aktion./.arbeitsunrecht e.V. nimmt das Urteil nun zum Anlass der Kampagne »Putzfrauen-Power«. Unter dem Motto »Reinigungskräfte wehren sich gegen Lohnraub« werden Betroffene dazu aufgefordert, Fälle von Überausbeutung, Mobbing und Schikanen im Hotelreinigungsgewerbe zu melden.

Bisher wehren sich nur wenige, der weit überwiegend weiblichen, Beschäftigten in diesem Bereich gegen solche Zustände. Das liegt auch an einem gesellschaftlichen Klima, in dem Lohnabhängige im Dienstleistungssektor zunehmend zu Dienern degradiert werden – wie nicht zuletzt die Anzeigenkampagnen für den boomenden Sektor des Reinigungsservice oder der Essenlieferdienste verdeutlichen.

Die Aktion Putzfrauen-Power will nicht nur auf die materielle Ausbeutung, sondern auch die ideologische Abwertung in dieser Branche aufmerksam machen. Was eine solche Mobilisierung bewirken kann, zeigte sich vor einigen Jahren in Frankreich, als über einen längeren Zeitraum Reinigungskräfte die Foyers der Hotelkette Arcor zum Forum ihres Protests umfunktionierten – und dabei von zumindest Teilen der Hotelgäste unterstützt wurden. Der Dokumentarfilm »Großer Abwasch im Subunternehmen« zeichnet ein Bild davon. Zu wünschen wäre, dass die Kampagne nun auch in Deutschland das Bewusstsein dafür schärft, dass es sich beim Hotelpersonal nicht um Zimmermädchen oder Dienstbotinnen handelt – sondern um hart arbeitende Lohnabhängige in oft prekären Verhältnissen, die Rechte haben und Solidarität verdienen. Dafür sollte man auch in Kauf nehmen, dass das Hotelzimmer vielleicht auch einmal unaufgeräumt bleibt.

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