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Der große Strippenzieher

Bernd Osterloh wird 60

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 2 Min.

Schon eine Woche vor dem 12. September begannen die Agenturen mit dem Versand von Material zum 60. Geburtstag von Bernd Osterloh, dem obersten VW-Betriebsrat: Osterloh im Porträt, Osterloh mit Wirtschaftslenkern, mit Ministerpräsident oder gleich mit Kanzlerin. Ferner gab es die Chronik »Stationen seiner Karriere«, Meldungen über seine weiteren Pläne, eine Würdigung in aller Breite - und eine Berichtigung dazu: Der Brauschweiger ist nicht nur Fan des dortigen Fußballklubs »Eintracht«, sondern auch des VFL Wolfsburg, in dessen Aufsichtsrat er sitzt!

Die quasi-staatsmännische Beachtung, die man dem Industriekaufmann entgegenbringt, ist angemessen: Osterloh ist, was etwa in der angelsächsischen Presse stets für Verwunderung sorgt, nicht »nur« Gewerkschafter, sondern ein zentraler Strippenzieher im Konzern. Auch wenn er Sätze wie »ohne den mächtigen Betriebsrat geht bei VW nichts« angeblich ungern hört: Könne da doch mitschwingen, die weitreichende Mitbestimmung sei womöglich ein Problem.

»BO«, wie der Hüne mit dem Kahlkopf gerufen wird, verkörpert eine Sorte von Gewerkschafter, die in den meisten Industriestaaten mangels Macht undenkbar ist. Die Wirtschaftspresse feiert ihn als archetypischen »Co-Manager«. Und es ist unbestreitbar, dass er sich oft die Konzernsicht zueigen macht. Erst jüngst beim Streit mit dem Zulieferer »Prevent« wurde das deutlich, als zwischen Management und Osterloh kein Blatt Papier passte. Schon vor Jahren verteidigte er das Haustarifmodell »5000 mal 5000« gegen scharfe Kritik aus seiner IG Metall.

Doch halten ihm auch Kritiker zugute, dass er trotz eines Angebots nicht auf die Arbeitgeberseite wechselte, sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger Klaus Volkert nie korrumpieren ließ - und die Wolfsburger Kernmarke gegen Vorwürfe der Unrentabilität verteidigt: Schließlich würden dieser auch Zusatzkosten aufgebürdet, bis zu den Betriebsrestaurants. Einmal soll er bei solcher Gelegenheit ausgerufen haben, ob diese Kritiker denn bei McDonald's Mittag machen wollten?

»Einfach nur Scheiße« nannte er jüngst die Vorgänge um den Dieselschwindel. Nun verspricht er, dass derselbe für Beschäftigte ohne Tarifeinschnitte oder betriebsbedingte Kündigungen bewältigt werde. Nicht zuletzt daran wird die Belegschaft den Rest seiner Amtszeit messen.

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