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Wo liegt die Latte auf dem Mond?

Denkspiel mit Mike Mlynar

Die bedeutungsschwangere Abwägung, ob Irrtümer und Fehler in der Wissenschaft den vermeintlichen Fortschritt hemmen oder ihn letztlich sogar forcieren, taucht immer wieder mal als Feuilletonthema auf. Nicht von ungefähr. Schließlich eignet sich auch dieses sehr gut, um auf der längst sprichwörtlichen Feuilletonglatze Locken zu drehen.

Selbst fachwissenschaftliche Arbeiten tun da ganz gern mit. Unlängst glaubten z. B. zwei Physiker, beim Durchforsten bislang unbeachteter Einstein-Manuskripte einen Rechenfehler entdeckt zu haben. Eine »minus 3« statt einer »9« in einer Gleichung hätte als Lösung einen masseleeren Weltraum hinterlassen. Einstein hat die Angelegenheit (deshalb?) einfach liegen und weiter brüten lassen. Darüber, ob so die Entwicklung der Steady-State-Theorie gebremst oder beschleunigt wurde, lässt sich heute trefflich streiten. Vor allem ohne jede Auswirkung, denn schon lange ist die Urknalltheorie an deren Stelle getreten.

Für die, die sich in bescheideneren Gefilden von Mathematik und Naturwissenschaft bewegen, sind Irrtümer und Rechenfehler indes öfter schier zum Verzweifeln. Und es beruhigt sie keineswegs, dass die Menschheit bei der Quadratur des Kreises oder der Drittelung des Winkels viele Jahrhunderte brauchte, um zu beweisen, das das eben nicht geht.

Unser heutiges Denkspiel nimmt sich all dem gegenüber natürlich sehr bescheiden aus. Dennoch steckt in ihm eine Klippe in der Art, an der auch schon ganz große Geister scheiterten: die psychologische. Wie schon in den vergangenen Wochen bleiben wir dabei etwas physiklastig:

Einer der schon etwas älteren Leichtathletikweltrekorde ist der im Hochsprung der Frauen. Die Bulgarin Stefka Kostadinowa hält ihn mit 2,09 Metern seit 1987. Inzwischen ist sie 51 Jahre alt, aber noch super in Form. Auf die Frage, welche Höhe sie sich jetzt noch so zutraue, meinte sie jüngst: »Auch noch über zwei Meter, allerdings nur auf dem Mond.« Da die Schwerkraft dort oben rund sechs Mal geringer ist als auf der Erde, könnte das ganz gut klappen. Welche Lattenhöhe hätte Stefka Kostadinowa auf dem Mond wohl zu ihrer Hoch-Zeit 1987 überqueren können?

PS: Als richtig gilt das Ergebnis in einer Streubreite von +/- zehn Prozent. Die Sportlerin war bei ihrem Weltrekord 1,80 m groß, wog 60 kg.

Lösungen per E-Mail an spielplatz@nd-online.de oder per Post (Kennwort »Denkspiel«). Einsendeschluss Mittwoch, 21. 9. Absender nicht vergessen, wir verlosen einen Buchpreis!

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