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Grabenkämpfe um die Notfallversorgung

Krankenkassengutachten empfiehlt Portalambulanzen - Kliniken sehen dies kritisch

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Gleich selbst in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses gehen oder erst mal den Bereitschaftsdienst rufen? Nachts oder am Wochenende entscheiden sich immer noch viele Patienten für die erste Variante. Unter dem Strich kommen dann aber 30 Prozent Hilfesuchende in die Notaufnahmen, die auch von einem Allgemeinmediziner behandelt werden könnten. Debattiert wird deshalb in letzter Zeit immer häufiger die Schaffung sogenannter Portalpraxen direkt neben oder sogar in Krankenhäusern. Dort arbeiten niedergelassene Ärzte, die auch außerhalb der Kernöffnungszeiten im ambulanten Bereich die leichteren Fälle behandeln sollen.

Die Debatte um Sinn, Finanzierung und Dichte dieser Praxen läuft schon einige Zeit und ein Ende ist nicht absehbar. Eine für das deutsche Gesundheitswesen typische Schnittstellenproblematik, bei der offenbar die Interessen der Krankenhäuser mit denen der niedergelassenen Ärzte, vertreten durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), kollidieren.

Eine Neuauflage des Schlagabtausches bot in dieser Woche ein Zukunftsforum des Verbandes der Ersatzkrankenkassen (vdek). Ein dort vorgestelltes, neues Gutachten im vdek-Auftrag zeigt die Schwachstelle des jetzigen Systems der Notfallversorgung aus Patientensicht auf: die nur lückenhafte und unattraktive Organisation der vertragsärztlichen Angebote. Empfohlen werden in dem Gutachten des AQUA-Instituts für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen eben die Portalpraxen oder, wie sie auch genannt werden und häufig schon existieren, die Notdienstpraxen. Sinnvoll wären zentrale Anlaufstellen, in denen der Behandlungsbedarf standardisiert eingeschätzt wird. Von dort geht der Patient dann entweder in die Notaufnahme oder in die Praxis. Außerdem nötig sind verlässliche Öffnungszeiten der Notdienstpraxen und gemeinsame Leitstellen.

Obwohl es an vielen Orten schon funktionierende Systeme gibt - darunter in der Region Hof in Bayern oder in Schleswig-Holstein -, beäugen sich die die Hauptakteure aus der ambulanten und stationären Versorgung weiter misstrauisch. KBV-Vorstand Andreas Gassen warf den Krankenhäusern vor, dass sie die Hälfte ihrer Fälle über die Notaufnahmen »akquirieren« würden. Georg Baum, Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, konterte und warf manchen Portalpraxen eine regelrechte »Raubrittermanier« vor. Einerseits hätten sie oft nur bis 21 Uhr geöffnet, andererseits beanspruchten sie die Vergütung für bestimmte Patienten, die innerhalb der regulären ambulanten Sprechzeiten einfach in eine klinische Notaufnahme gingen.

Dennoch fordert der vdek Portalpraxen an allen 1600 deutschen Krankenhäusern mit Notfallversorgung. Von den 600 Notdienstpraxen sind bis auf 56 alle an Kliniken angesiedelt. Beim Blick auf die Karte ergibt sich ein deutliches Ost-West-Gefälle. Schlusslicht ist Sachsen mit nur einer allgemeinärztlich ausgerichteten Notdienstpraxis. In den neuen Ländern sei weiterhin die Praxis des diensthabenden Arztes die Anlaufstelle für ambulante Notfallpatienten, heißt es im AQUA-Gutachten.

In der Berliner Diskussion um die Notfallversorgung wurde deutlich, dass auch die Patienten zur Lösung des Problems beitragen können. Auf jeden Fall ist Öffentlichkeitsarbeit nötig. Kampagnen sollten über Zuständigkeiten aufklären, Notfallrufnummern wie die 116117 (Berlin: 310031) für den ärztlichen Bereitschaftsdienst müssten bekannter werden, ebenso Standorte und Öffnungszeiten vorhandener Portalpraxen.

Eine britische Webseite zeigt indes, wo die Reise noch hingehen könnte: Auf www.notalwaysaande.co.uk geht es darum, die Fehlnutzung von Notaufnahmen zu verringern. Hilfesuchende im Großraum London haben dort die Möglichkeit, aus einer Reihe von Symptomen auszuwählen - nach Eingabe ihrer Postleitzahl werden sie dann auf lokale Versorgungsangebote hingewiesen.

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