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Es gibt immer was zu formulieren

$!3b3n T4g3, $!3b3n Nächt3: Wolfgang Hübner über die Tücken der täglichen Printarbeit und das Knacken der Codes

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 2 Min.

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Zeitungsleser sind eine eigentümliche Gattung. Alles Nötige dazu auf Seite 23, hier nur so viel: Es verbindet sie eine herzliche Skepsis mit den Zeitungsproduzenten. Diese Symbiose beruht auf der Grundannahme, der jeweils andere sei unwillig und nur bedingt einsichtsfähig. Aber sonst: ziemlich beste Freunde!

Nun ist es so, dass wir in der Redaktion unermüdlich am täglichen Produkt feilen, schleifen, polieren usw. Das ist keine einfache Sache, denn neben allerhand Fachfragen und den Tücken der Weltanschauung ist da noch die Sprache - ein Universum voller Schlaglöcher, Fußangeln und Abwege. Aber hier hilft die Technik. Um die Schwächen der Redaktionsmenschen auszugleichen, reisen Agenten unseres Verlages zu internationalen Grammatikmessen, Stilistikkongressen und in Semantiklabore, um die neuesten Errungenschaften der Wissenschaft einzukaufen.

Was nicht schon alles im hoch gesicherten Redigierkeller installiert ist: Bandwurmsatzspalter, Wortungetümhäcksler, Redundanzkompressoren, Fremdwortzentrifugen, Genitivkettenzerstäuber, Stilblütenhobel - um nur ein paar spektakuläre Erfindungen der textbearbeitenden Industrie zu nennen. Vom letzten Besuch im Satzbaumarkt (»Es gibt immer was zu formulieren!«) brachte der Technikchef einen nagelneuen Satzzeichenrüttler mit. Jappa jaja yippieh yippieh yeah! Manchmal geht auch etwas schief. Als wir neulich einen Tautologiemelder in Betrieb nahmen, flogen erstmal alle Sicherungen raus, weshalb wir eine Notausgabe produzieren mussten. Sie wissen schon, die Sache mit dem angeblichen Blitzeinschlag.

Den ganzen Aufwand, verehrte Leserinnen und Leser, betreiben wir nur zu dem Zweck, Ihnen eine möglichst gut lesbare Zeitung vorzulegen. Da glaubten wir erst einmal, einer Sinnestäuschung zu erliegen, als wir dieser Tage erfuhren, dass ein spanischer Verlag ein Buch herausbringt, das kein Mensch lesen kann. Es handelt sich um das sagenumwobene Voynich-Manuskript, ein langes, komplett unverständliches Schriftstück aus dem Mittelalter, benannt nach dem Entdecker Wilfrid Voynich. Berühmte Kryptologen, die schon die Geheimcodes der Wehrmacht und die schlimmsten Handschriften deutscher Kassenärzte knackten, sind am Voynich-Manuskript gescheitert. Und das Beste ist: Für die geheimnisvolle Schwarte liegen Hunderte Vorbestellungen vor, obwohl das Ding etwa 8000 Euro kosten soll.

Das kriegen wir auch hin, und zwar täglich. Wenn uns nichts mehr einfällt, verschrotten wir die Technik im Keller, verhundertfachen den Zeitungspreis und tippen einfach irgendwas in unsere Computer. Ob Sie das kapieren, ist uns eigentlich zieml43em%ch egfgn sfgtw4576ß j mpüojü9. Wenn Sie verstehen, was ich meine.

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