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Rausklicken aus der Norske Kirke

Onlinedienst bietet Norwegern Kirchenaustritt über den heimischen PC an

  • Von Bengt Arvidsson, Stockholm
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die Norweger waren bislang mit rund 3,8 Millionen Menschen rund 73 Prozent der Bevölkerung Mitglieder der evangelisch-lutherischen Landeskirche, der Norske Kirke. Das könnte sich ändern. Von einer »Massenflucht aus der Kirche«, berichtet derzeit etwa der öffentlich-rechtliche Sender NRK.

Grund ist ein seit dem 15. August bestehender Onlinedienst der Landeskirche. Die ist bemüht, sich einen modernen Anstrich zu geben und bietet dort kundenorientierte Dienstleistungen an: auch den unkomplizierten Kirchenaustritt.

Allein bis Ende August traten 25 743 Norweger aus der »Norske Kirke« aus. Das könnte nur ein Anfang sein. Denn erst jetzt ist die Sommerurlaubszeit für viele Norweger zu ende. Für die Abmeldung müssen Mitglieder lediglich eine Bank-ID haben, mit der in Norwegen auch Steuererklärungen und andere amtliche Vorgänge einfach vom Heimcomputer aus geregelt werden können.

Die Austrittswelle aus der Landeskirche aufgrund einer bloßen technischen Einrichtung führte zu vielen hämischen Kommentaren in der atheistisch geprägten Landespresse. Doch Bischöfin Helga Hauglund Byfuglien gibt sich gelassen. »Wir waren auf eine erhebliche Anzahl Abmeldungen vorbereitet und haben großen Respekt für die getroffene Wahl jedes Einzelnen«, sagte sie. Auch die Leiterin des Kirchenrates, Kristin Gunleiksrud Raaum, sagt pragmatisch, niemand müsse Mitglied gegen seinen Willen sein.

Letztlich reagiert die Kirche damit auch auf Kritiker, die meinen, ihre bisherige Mitgliederstatistik sei nicht aussagekräftig. Eine Umfrage der Zeitung »Aftenposten« aus dem Frühjahr hatte ergeben, dass sich nur 48 Prozent der Kirchenmitglieder als Christen bezeichnen. 33 Prozent gaben an, Atheisten zu sein, 14 Prozent glaubten laut der Umfrage an eine undefinierte göttliche Kraft.

In Norwegen gibt es keine direkte Kirchensteuer, die vom Gehalt des Einzelnen abgezogen wird. Allerdings sind die Steuersätze meist relativ hoch. Anerkannte Kirchen- und Weltanschauungsgemeinschaften erhalten Geld vom Staat je nach der Anzahl ihrer Mitglieder. Die Landeskirche hatte lange erheblich mehr Rechte als andere Glaubensgemeinschaften.

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