Werbung

Brasilien feiert paralympisch

In Rio kommen mehr Zuschauer als zu Olympia

  • Von Ronny Blaschke, Barra da Tijuca
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Der Applaus setzt langsam ein, wird lauter und ebbt wieder ab. Die Mehrheit der 3000 Zuschauer in der Carioca Arena 2 scheint nicht zu verstehen, was da unten beim Boccia vor sich geht. Die Spieler haben schwerste Behinderungen, einige sind beim Wurf der Kugel auf Unterstützung angewiesen. Nach einer Weile verkündet der Sprecher, dass Brasilien gegen Belgien 4:2 gewonnen hat. Aus dem zögerlichen Applaus wird ein Jubelsturm. António Leme, ein Spieler des Gastgebers mit schwerer Spastik, wippt vor Freude so sehr auf und ab, dass er seinen Rollstuhl fast zum Kentern bringt.

Erfahrungswerte - mit diesem Begriff wirbt Philip Craven, der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), für seine Bewegung. Und diese Erfahrungen im Umgang mit behinderten Menschen haben in den vergangenen Tagen viele Brasilianer gemacht. Allein am Samstag waren laut Organisationskomitee fast 170 000 Menschen im Olympiapark von Barra unterwegs, so viele wie nie bei den Olympischen Spielen an einem einzelnen Tag. »Die dunklen Wolken, die wir beim Anflug auf Brasilien gesehen haben, sind nach einer Woche komplett verflogen«, sagt Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). Von organisatorischem Chaos keine Spur.

Im Olympiapark waren am Wochenende viele Familien unterwegs, einige Stauplätze für Kinderwagen waren wegen Überfüllung geschlossen. Der Parcours an Sponsoren ist dieses Mal noch größer als in London 2012. Nach den Wettkämpfen standen Besucher stundenlang Schlange, um Modelle eines Mobilfunkherstellers oder historische Flaschenetiketten eines Brauseproduzenten zu betrachten. Zwischen Autohaus, Konzertbühne und Lotteriebüro wurden aber auch Kinder zum Ausprobieren von Sitzvolleyball oder Rollstuhltennis animiert.

Noch vor einem Monat wurde über eine mögliche Absage der ersten Paralympics in Lateinamerika spekuliert. Innerhalb von wenigen Tagen musste eine Finanzierungslücke von rund 250 Millionen Reais ausgeglichen werden; die Bundesregierung und die Gastgeberstadt schossen die fast siebzig Millionen Euro nach, obwohl sich Brasilien in einer schweren Rezession befindet. Einige Wettkämpfe wurden aus Deodoro, dem zweitgrößten Olympiaareal, nach Barra verlegt. Der Medientransport wurde eingeschränkt, Feiern fielen aus, Helfer wurden nicht weiter beschäftigt.

Aber es scheint, als sehnten sich die Cariocas nach Ablenkung, und die Organisatoren kommen ihnen entgegen, mit stark reduzierten Ticketpreisen und spontanen Werbeaktionen. Beim Blindenfußball mussten die Fans der brasilianischen Mannschaft zur Ruhe ermahnt werden. Nur so konnten die Spieler die Rasseln im Ball hören und nach einem Rückstand gegen Marokko doch noch gewinnen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!