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Utopischer Realist

Gregor Schlönvoigt aus Gottow will eine begehbare künstliche Unterwasserwelt erschaffen

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

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Mindestens 600 000 Besucher strömen herbei, in einem guten Jahr bis zu 1,2 Millionen. Sie laufen über eine Steganlage auf einem acht Hektar großen See oder durch eine 300 Meter lange Röhre aus Acryl durch die künstlich angelegte Unterwasserwelt, erreichen einen riesigen Kuppelsaal, bestaunen heimische Fische wie Karpfen, Zander, Hecht und Wels. Außerdem unternehmen sie noch eine Fahrt mit einem der drei U-Boote mit je 30 Plätzen, die in dem See gleichzeitig unterwegs sind. Alle sind fasziniert und von da an motiviert, die Natur zu achten und zu schützen.

Noch geschieht das alles nur im Kopf von Gregor Schlönvoigt. Doch der 39-Jährige aus Gottow bei Luckenwalde ist fest davon überzeugt, dass er seine Vision früher oder später verwirklichen kann. Die gewaltige Summe von 75 Millionen Euro muss er dafür auftreiben. Zunächst hat er nicht einmal die 12 000 Euro, die er für die Produktion einer anspruchsvolle 3D-Animation seiner Pläne benötigt. Mit der Animation könnte er Banken überzeugen, Geld in die ungewöhnliche Geschäftsidee zu stecken. Arbeitstitel: Utobiotopia.

35 Prozent der Investition sollen mit Fördermitteln bezahlt werden. Die restliche Summe will Schlönvoigt mit Krediten finanzieren. Vom Grundsatz her sei sei ein solches Projekt durchaus förderfähig, bestätigt Matthias Haensch, Sprecher der Investitionsband des Landes Brandenburg. Aber: »Die Tragfähigkeit des Projektes muss nachgewiesen werden und die Gesamtfinanzierung muss stehen.«

Schlönvoigt brütet bereits seit Dezember 2014 über seinen Plänen, hat Kostenvoranschläge eingeholt, Experten angesprochen und alles genau ausgerechnet. Er kalkuliert mit 29 Euro Eintritt. Kinder zahlen demnach 19 Euro und wenn sie kleiner sind als einen Meter groß, dann dürfen sie umsonst hinein. Der ermäßigte Eintritt würde auch für Arbeitslose gelten. Einige Dinge hat Schlönvoigt selbst ausgetüftelt, doch die meisten Technologien gibt es schon, nur nicht in dieser Kombination und für diesen Zweck. So baut eine US-Firma kleine Acrylröhren und Kuppelräume in die Pools der Superreichen ein.

Nach einem Standort hat Schlönvoigt bereits Ausschau gehalten. An die Berliner S-Bahn soll er angeschlossen sein und eine Abfahrt vom Autobahnring soll sich in der Nähe befinden. 14 Hektar benötigt Schlönvoigt zur Realisierung seiner Vorstellungen. »Wahrscheinlich finde ich die nordöstlich von Berlin«, sagt er. »Dort kommen die benötigten Lehmschichten in der Natur vor. Das spart beim Anlegen des Sees Millionen, wenn der Lehm nicht herbeigekarrt werden muss.« Der 39-Jährige hat den Tipp von einem Fachmann aus dem Landesumweltamt bekommen. Dieser Fachmann soll helfen, den optimalen Standort ausfindig zu machen. Die Feinplanung des künstlichen Sees möchte Schlönvoigt durch Biologen einer Universität erstellen lassen.

Der 39-Jährige gerät leicht ins Schwärmen, wenn er von Utobiotopia erzählt. Wie er auf die Sache gekommen ist? Beim Angeln hat er sich vorgestellt, wie es unter Wasser aussieht, aus der Perspektive der Fische. Die Erinnerung an die Verfilmung von Jules Vernes Roman »20 000 Meilen unter dem Meer«, die Schlönvoigt als Kind gesehen hat, spielte mit hinein. Während der 39-Jährige bei einem Treffen auf dem Comeniusplatz in Berlin-Friedrichshain davon berichtet, füttert und schaukelt er seine erst sechs Wochen alte Tochter.

»Es ist ein kommerzielles Umweltbildungsprojekt«, gibt er dabei unumwunden zu, wobei er die Betonung auf »kommerziell« legt, damit er nicht missverstanden wird. Utobiotopia soll sich selbst finanzieren, keineswegs am Tropf öffentlicher Zuschüsse hängen. Rein gewinnorientiert soll die Unterwasserwelt aber andererseits auch nicht sein. Schlönvoigt beabsichtigt die Gründung einer gemeinnützigen GmbH. 20 Prozent der Einnahmen sollen an Umwelt- und Naturschutzprojekte fließen. Nach Abzug der Steuern würden bei einem angepeilten Jahresumsatz von 16 Millionen Euro immerhin 2,5 Millionen Euro gespendet, rechnet Schlönvoigt vor. »Das ist eine große Sache.« Für Kitagruppen und Schulklassen soll es spezielle Ermäßigungen geben. Die sind ihm als Besucher besonders wichtig, denn bei jungen Menschen könne man das Umweltbewusstsein durch die Faszination der Unterwasserwelt noch gut formen, denkt er. »Kinder und Jugendliche sind noch nicht so abgehärtet wie wir Erwachsenen.«

Schlönvoigt ist in Rostock geboren und hat lange in Berlin gelebt. In dem Dorf Gottow wohnt er seit dreieinhalb Jahren. In der Spitzengastronomie hat er Koch gelernt, kann den Beruf wegen einer Hautkrankheit aber nicht mehr ausüben, erhält deswegen eine kleine Erwerbsunfähigkeitsrente. Ehrenamtlich, aber im Grunde hauptberuflich habe er jahrelang bei der Vorbereitung der Hanfparade in Berlin mitgewirkt und dabei sein Organisationstalent entdeckt, sagt er. Man könnte ihn als Eventmanager bezeichnen, genauso gut als Utopist. Drei Jahre würde es dauern vom ersten Spatenstich bis zur Eröffnung, erklärt Schlönvoigt. 60 Mitarbeiter würde er einstellen. Zunächst muss er aber Geld auftreiben. Viel Geld.

utobiotopia.de

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