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Der Pendler und sein Stau

Immer mehr Sachsen arbeiten außerhalb des Landes - wegen des Lohnniveaus, sagt die LINKE

Dresden. Immer mehr Sachsen haben einen Job außerhalb des Landes. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Pendler um etwa ein Zehntel auf knapp 134 000. Etwa jeder fünfte Auspendler geht in Bayern einer Arbeit nach. Danach folgen Sachsen-Anhalt (16,9 Prozent), Thüringen (12,5) und Brandenburg (8,7). 2015 lag die Auspendlerquote bei 8,6 Prozent. Die Quote beschreibt den Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in Sachsen leben, aber anderswo arbeiten.

Die Zahlen hatte der LINKE-Abgeordnete Nico Brünler im Dresdner Landtag erfragt. Der 41 Jahre alte Chemnitzer sieht die Entwicklung kritisch: »Ein Elternteil packt jeden Sonntag die Koffer und kommt erst am darauffolgenden Freitag zurück. Das ist nicht gut für den Familienzusammenhalt und macht den Betroffenen Stress.« Jeden Freitagabend lasse sich der Pendler-Strom in West-Ost-Richtung auf den Autobahnen A72 und A4 beobachten. Am Sonntagabend fließe er in umgekehrter Richtung. Auf diesen Abschnitten kommt es dann häufig zu großen Staus.

Für Brünler sind die Zahlen eine Bestätigung für die vom Land Sachsen über Jahre gepflegte Niedriglohnstrategie. In Sachsen sei der Anteil von Menschen mit geringem Einkommen besonders hoch. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Kamenz lag der Bruttoverdienst in Sachsen im Jahr 2015 bei 26 907 Euro und erreichte damit nur 82,7 Prozent des bundesweiten Durchschnitts. Nur in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wurde demzufolge noch weniger verdient.

Nach Darstellung der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (LINKE) ist Arbeit für viele Sachsen nicht existenzsichernd. Laut Statistik bezogen im November 2015 exakt 74 923 Beschäftigte im Freistaat ein ergänzendes Arbeitslosengeld II. Die Quote sozialversicherungspflichtig beschäftigter Hartz IV-Aufstocker an allen Beschäftigten liege in Sachsen bei 2,8 Prozent und damit höher als im Bundesschnitt (1,9 Prozent). Zimmermann sieht im Pendel einen »Ausdruck der Flucht vor niedrigen Löhnen und Arbeitslosigkeit«. Brünler verweist darauf, dass auch innerhalb Sachsens reichlich gependelt wird. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten würden jeden Tag über eine Kreisgrenze zur Arbeit fahren und dabei nicht selten Fahrtzeiten von bis zu eineinhalb Stunden in Kauf nehmen: »Das zeigt, wie unterschiedlich die wirtschaftliche Entwicklung in Sachsen ist. Es gibt Regionen, in denen die Menschen einfach keine Arbeit finden oder nur schlecht entlohnt werden. Dann nehmen sie lieber das Pendeln in Kauf.«

Aber auch die Zahl der Menschen, die in anderen Bundesländern oder dem Ausland wohnen und in Sachsen einen Job haben, ist gewachsen. Im Jahr 2006 waren das noch etwa 75 000. 2015 lag die Zahl bereits bei mehr als 105 000. Die meisten der sogenannten Einpendler kommen aus Sachsen-Anhalt (32,5 Prozent), Thüringen (19,3) und Brandenburg (16,2), etwa 18 Prozent haben ihren Wohnsitz im Westen. Die rund 8000 Einpendler aus dem Ausland stammen etwa zur Hälfte aus Polen und zu knapp 40 Prozent aus Tschechien.

Sachsens Arbeitsminister Martin Dulig (SPD) erklärt, nur mit attraktiven Jobs könne der Fachkräftebedarf gedeckt werden. »Damit sich die Zahl der Auspendler künftig reduziert und wir mehr Fachkräfte im Land halten können, setzen wir seit 2015 auf ›Gute Arbeit für Sachsen‹. Das heißt vor allem faire Löhne und Steigerung der Tarifbindung, mehr betriebliche Mitbestimmung und bessere Arbeitsbedingungen, vor allem die bessere Vereinbarkeit von Beruf und individueller Lebensplanung.«

Die Antworten des Arbeitsministeriums auf die Anfragen von Brünler zeigen zudem: Die meisten sächsischen Pendler sind zwischen 25 und 50 Jahre alt, bei den unter 25-Jährigen liegt der Anteil bei weniger als einem Zehntel. »Die Mobilität bei Männern ist deutlich höher als bei Frauen«, heißt es in der Antwort des Ministeriums. dpa/nd

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