Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

CSU-Mann nennt integrierte Geflüchtete »das Schlimmste«

Scheuer macht verbal gegen Asylbewerber Front / Generalvikar: Geht es hier nur ums Loswerden? / Auch aus SPD, Grünen, Linkspartei Kritik an CSU

Berlin. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sorgt abermals mit einer Äußerung über Geflüchtete für Empörung. Während des Regensburger Presseclubs am vergangenen Donnerstag kommentierte der 41-Jährige Politiker die seiner Meinung nach bestehenden Hindernisse bei der Abschiebung von Asylbewerbern mit den Worten: »Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los.« Der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs reagierte am Wochenende im Netzwerk Facebook mit Sarkasmus: »Na dann, liebe Pfarreien und Sportvereine, lasst das mal mit eurer Integrationsarbeit. Herr Scheuer übernimmt.«

Der Kirchenmann sieht in dem rhetorischen Ausfall des CSU-Mannes aber auch bitteren Ernst: Gehe es Scheuer »hier nur ums Loswerden aller, ohne Rücksicht auf Asylverfahren?«, fragte Fuchs. »Dann brauchen wir auch keine Deutschkurse und Übergangsklassen. Aber in den Spiegel sehen können wir dann auch nicht mehr.« Mit Blick auf die gegen sportliche Integrationsangebote und die Religionsgemeinschaften gerichtete Verbalattacke Scheuers mahnte Fuchs zu »etwas mehr Differenzierung statt Sport- und Kirchenschelte«. Das wäre so hilfreich wie etwa eine Beschleunigung der Verfahren. Nötig seien »aber vor allem mehr und bessere Sprachkurse auf dem Land, mehr Übergänge in Schulen, Universitäten und Arbeitswelt«, sagte Fuchs.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach sagte mit Blick auf Scheuer, »was für eine schäbige Einstellung für einen Christen. Der Flüchtling floh vor Armut, betet und spielt Fußball.« Die Linken-Politikerin Janine Wissler kritisierte Scheuer mit den Worten, »Integration und friedliches Miteinander werden von einigen offenbar als ‚das Schlimmste‘« angesehen. Bisher habe die CSU Geflüchtete »als potentielle Terroristen und Gewalttäter dargestellt, es geht aber noch schlimmer«, sagte die hessische Abgeordnete zu den Äußerungen des CSU-Mannes. Der Publizist Sascha Lobo nannte Scheuers Äußerungen »offen rassistisch«. Die bayerische Landtagsabgeordnete Christine Kamm von den Grünen sagte, »lieber 11 fußballspielende Senegalesen, als ein ausländerhetzender Andi«.

Scheuer sagte am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur, sein Satz sei eine bewusste Zuspitzung gewesen. »Im Zusammenhang ging es um die Schwierigkeit, abgelehnte Bewerber nach einem abgeschlossenen, rechtsstaatlichen Verfahren wieder zurückzuführen, wenn diese sich über einen längeren Zeitraum hier aufhalten.« Zugleich habe er aber auch die Leistungen des Ehrenamtes hinsichtlich der Integration mehrmals gelobt. vk

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln