Das provisorische Leben

George Prochnik erzählt von Stefan Zweig und seinem brasilianischen Exil

  • Von Klaus Bellin
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

In Petrópolis war seine Flucht zu Ende. »Das ist das Paradies«, schrieb Stefan Zweig. Abends, wenn es dunkel war, stieg er mit seiner Frau Lotte die fünfzig Stufen vom Haus zur Straße hinunter, und dann gingen beide los, immer dem Urwald entgegen, der tropischen Wildnis, über sich den »unbeschreiblichen Sternenhimmel«. Sie waren im gelobten Land, inmitten einer »Orgie von Farbe und Anmut«. Und atmeten auf. Zum ersten Mal seit Jahren hatten sie ihre Koffer vollständig ausgepackt, und sie freuten sich der Abwechslungen und der Anregungen, die jeder Tag brachte. »Ich hätte nie gedacht«, berichtete Zweig, »dass ich in meinem sechzigsten Lebensjahr in einem kleinen brasilianischen Dorf sitzen würde, bedient von einer barfüßigen Schwarzen und Tausende von Kilometern entfernt von all dem, was vormals mein Leben war, von meinen Büchern, Konzerten, Freunden, Unterhaltungen.«

Sie wohnten in einem Häuschen mit großem Garten, schöner Terrasse...


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