Fälscher am Werk

Uwe Kalbe über den Streit zwischen Flüchtlingsamt und Innenbehörden

Der Streit zwischen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und einigen Länderinnenbehörden um gefälschte Pässe von Flüchtlingen ist unerfreulich. Nicht nur für die beteiligten Seiten, die offenbar weniger gut zusammenarbeiten, als es Behördenchef Weise gern als Ergebnis seiner Arbeit an der Behördenspitze darstellt. Vor allem ist es für die wogende Debatte über potenzielle Terrorismusgefahr, die von Flüchtlingen ausgehe, ein zusätzlicher Kanister Öl, der da im Feuer landet. Der erstaunte Betrachter erfährt nichts über die rationale Grundlage der Vorwürfe. Er erfährt, dass es um gefälschte Pässe geht. Dies ist die einzige unbestrittene Mitteilung.

In der Kritik an der Weise-Behörde bleibt zudem ausgeklammert, was Schlussfolgerung sein müsste, träfen die Vorwürfe zu. Unterliefen dem Bundesamt derartige Fehler, sprächen diese dann nicht für Überforderung und mangelnde Gründlichkeit bei der Behandlung des Einzelfalls? Wäre diese »Veroberflächlichung« infolge der Reduzierung von Fallzahlen um jeden Preis dann nicht das eigentliche Problem? Wäre das nicht alarmierend angesichts dessen, worum es bei dieser Behörde geht - nämlich die Entscheidung über das Schicksal von Menschen, die in ihrer Mehrzahl aus unerträglichen oder gar lebensgefährlichen Verhältnissen geflohen sind? Wer über Pässe redet und all dies ausklammert, macht sich der Fälschung schuldig.

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