Wie Dada im Einweckglas

Totentanz ohne Tote: Achim Freyers »Abschlussball« am Berliner Ensemble

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Was ist das, was hier achtzig Minuten über die Bühne staubt? Eine seltsame Revue, mit viel rotem Licht, ein ältlicher Rummelplatz in der Provinz, der zu mitternächtlicher Stunde von den Gespenstern längst gestorbener Dauerkartenbesitzer in Beschlag genommen wurde? Von allem etwas.

Die Unterzeile lautet: »Ein Lamento in Bildern«. Ein Lamento ist, wenn es Stil hat, eine hochtönende Klage, die jeden Widerspruch ausschließt. Wenn es keinen Stil hat, ist es bloß ein nervtötendes Jammern. Man kommt nicht umhin, diese Uraufführung des inzwischen zweiundachtzigjährigen Achim Freyer als ein Indiz für das nicht nachvollziehbare Jammern der Privilegierten zu nehmen. Denn worüber wird an diesem zugleich wirren und aufreizend betulichen Abend lamentiert? Über das Alter, die nachlassende Kraft zur Form, das frivole Unverständnis der Jungen, die gewiss weniger Verstand, aber dafür mehr Vitalität haben - und dagegen kommt man eben nicht mehr an.

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