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Von Tom Mustroph, Mailand
22.09.2016

Chinas Entwicklungshilfe in Europa

Investoren kaufen sich in Fußballklubs ein, um die Asiaten selbst zum Global Player werden zu lassen

mialno
Roberto Baggio (unten, 2.v.l.) sucht schon junge Talente. Investoren aus China kaufen sich gerade bei seinem Ex-Klub AC Mailand ein.

Chinesische Geschäftsleute gehen shoppen in Europa. Zwei Milliarden Dollar haben die asiatischen Geldgeber allein zwischen Januar und August 2016 in den europäischen Fußball investiert, rechnete die »Financial Times« jüngst aus. Die Anlageobjekte verteilen sich über die Premier League in England, wo chinesische Geschäftsleute unter anderem 13 Prozent von Pep Guardiolas neuem Arbeitgeber Manchester City besitzen, Spaniens La Liga (20 Prozent von Atletico Madrid), die französische Ligue 1 (80 Prozent von OGC Nizza) und die italienische Serie A.

Im Juni 2016 erwarb die Suning Holdings Group knapp 70 Prozent der Aktien des Traditionsklubs Inter Mailand für etwa 600 Millionen Euro. Davon gingen 270 Millionen direkt in den Aktienanteil, weitere 220 Millionen in die Schuldentilgung, und mit 110 Millionen Euro wurde ein Kredit des Vorbesitzers Erick Thohir abgelöst.

Auf 740 Millionen Euro beläuft sich gar das Paket der Gruppe Sino-Europe Investment Management Changxing, die bis Ende des Jahres den AC Mailand übernehmen will. 100 Millionen Euro wurden bereits überwiesen, weitere 420 Millionen stehen Ende des Jahres an. 220 Millionen gehen in die Schuldentilgung der Rossoneri.

Wer sich genau hinter dieser Gruppe verbirgt, ist bislang noch unklar. Anders als im Falle Inters, wo nun ein Elektronikhändler mit 1800 Filialen die Mehrheit besitzt, weiß man beim Stadtrivalen selbst im Trainingszentrum Milanello nicht genau, wer die Neuen aus China sind. Bisher trat als Verhandlungsführer ein auch in der chinesischen Geschäftswelt kaum bekannter Mann namens Yonghong Li auf. Ihm gelang es zwar, den Staatsfonds Haixia Capital ins Boot zu holen. Wer genau hinter Haixia steckt, ist bislang aber auch ein Rätsel.

Zudem sollen die Asiaten bei den ersten Verhandlungen angeblich unechte Dokumente vorgelegt haben. Das berichtete der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg am Mittwoch. Die chinesische Bank of Jiangsu behauptet, dass ein vermeintliches Dokument des Geldinstituts, das die Finanzkraft des Konsortiums belegen soll, gefälscht war. Nach einer internen Untersuchung streitet die Bank ab, das Dokumente erstellt zu haben. Laut Bloomberg wollen beide Seiten trotzdem an dem Verkauf festhalten. Angeblich versucht Li derzeit fieberhaft, Kapitalgeber für die Übernahme zu finden. Entgegen ersten Informationen, als die direkte Beteiligung des chinesischen Staates als Garantie ins Spiel gebracht wurde, wird derzeit auf so viel Staatsferne wie möglich gesetzt und das Gewicht privater Investoren betont.

Dabei würde eine Beteiligung des Staates am Fußballkonzern des einstigen italienischen Staatschefs Silvio Berlusconi nicht nur sportpolitisch seinen Reiz haben. Chinas Präsident Xi Jinping veröffentlichte im April 2016 einen 50-Punkte-Plan, laut dem China bis zum Jahr 2050 Fußballgroßmacht werden soll. Neben der Basisarbeit im eigenen Lande wie etwa 20 000 Trainingszentren bis 2020 soll Fußball-Knowhow aus Europa abgezogen werden. Startrainer wie Marcello Lippi arbeiteten schon in Chinas Super League. Zudem wurden Starspieler wie der Brasilianer Ramirez verpflichtet. Mit dem Einkauf in die europäischen Klubs sollen perspektivisch chinesische Spieler und Trainer den umgekehrten Weg gehen und in Europa reifen.

Auch hier hilft die Macht des Geldes. In Portugals zweiter Liga versuchte Trikotsponsor Ledman - zugleich Sponsor der Super League und strategischer Partner des chinesischen Fußballbundes - die Klubs zu verpflichten, pro Jahr zehn chinesische Profis aufzunehmen. Der Passus wurde nach einem Proteststurm auf Eis gelegt. Aber er zeigt die Richtung an.

Zwei Jahre vor den Mailänder Deals stieg schon ein chinesischer Investor bei Pavia Calcio ein. Dem Drittligisten wurde ein Aufstieg in die Serie A, ja sogar die Teilnahme an der Champions League versprochen. Mit im Paket waren auch eine Fußballakademie für chinesische Kicker sowie wirtschaftliche Verbindungen zwischen Pavia und dem Reich der Mitte. 15 Millionen Euro investierten die neuen Besitzer immerhin. Bis auf eine Teilnahme an den Playoffs zur Serie B, die verloren wurden, sprang aber nichts heraus. Jetzt sind die Geldgeber verschwunden. Sie hinterließen Schulden von etwa 5 Millionen Euro. »Ich wünsche Mailand mehr Glück, als wir es hatten«, sagt Pavias Bürgermeister Massimo Depaoli gegenüber »nd«.

Zhu Xiaodong, der sich als Käufer auch gleich zum Präsidenten von Pavia Calcio gewählt hatte, betreibt auch mit Inter und Milan schon Geschäftsbeziehungen. Im April 2016 lotste er die Milan Legends, eine Altherrentruppe, in der Andrij Schewtschenko, Paolo Maldini, Javier Zanetti und Christian Vieri kicken, zum Schauspiel nach Shanghai. Das brachte ein volles Stadion zahlender Fans. Die gut 100 000 Euro an ausstehenden Löhnen für die Mitarbeiter des Vereins in Pavia will Zhu aber nicht berappen. Einem Gerichtstermin in Pavia blieb er am Dienstag fern.

Manch deutscher Klub wird bei solchen Meldungen froh sein, dass es hierzulande doch noch die 50+1-Regel gibt, die eine Stimmenmehrheit für den Verein gegenüber Kapitalgebern garantiert.

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