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Kuba sucht nach Öl

Eigene Vorkommen könnten die Energieknappheit auf der Karibikinsel beheben

  • Von Andreas Knobloch, Havanna
  • Lesedauer: 4 Min.

Das australische Unternehmen MEO habe im Norden Kubas riesige Ölvorkommen entdeckt, hieß es jüngst, was weltweit für Aufsehen sorgte. Von 8,2 Milliarden Barrel war die Rede. Die Nachricht weckte natürlich große Erwartungen - auf Kuba selbst, aber auch außerhalb. Denn erst kürzlich hatte Präsident Raúl Castro die Bevölkerung auf schwierige Zeiten eingestimmt. Die Regierung müsse Ausgaben kürzen und Energie sparen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Venezuelas wirken sich auch auf Kuba aus - vor allem die Reduzierung der Öllieferungen machen der Karibikinsel zu schaffen.

Von kubanischer Seite gab es weder ein Dementi noch eine Bestätigung der mutmaßlich durch MEO entdeckten Vorkommen. Nun sprach der stellvertretende Direktor der staatlichen Ölgesellschaft Cupet, Roberto Suárez Sotolongo, in Havanna von einer »Fehlinterpretation«. In der Pressemitteilung des Unternehmens sei nie von einem »bestätigten Fund oder Entdeckung« die Rede gewesen. Sie bezog sich vielmehr auf die Identifizierung von potenziellen Mengen, die mit künftigen Förderprojekten gewonnen werden könnten. Derzeit würden Studien durchgeführt; es sei also noch zu früh, um Angaben zu möglichen Vorkommen zu machen.

Vorerst muss Kuba also weiterhin zusehen, wie es seinen Energiebedarf decken kann. Täglich rund 45 000 Barrel Öl und drei Millionen Kubikmeter Gas fördert das Land. Dies deckt aber nur knapp die Hälfte des Bedarfs; der Rest muss importiert werden - bisher vor allem aus Venezuela. Experten schätzen, dass Caracas zuletzt jedoch nur noch 53 500 Barrel Rohöl pro Tag nach Kuba lieferte - das wären 40 Prozent weniger als Anfang 2015. In der Vergangenheit hatte Kuba einen Teil des venezolanischen Öls selbst verbraucht und den Rest wohl weiterverkauft. Diese zusätzlichen Einnahmen schrumpfen nun ebenfalls.

Wie der für die Förderung zuständige Chef von Cupet, Osvaldo López Corzo, erklärte, stammt das in Kuba geförderte Öl komplett aus dem Küstenstreifen zwischen Havanna und Varadero gewonnen. Neue Förderprojekte in den kommenden fünf Jahren konzentrierten sich ebenfalls auf diesen Abschnitt. Es muss jedoch tiefer gebohrt werden, dies ist teurer und die neuen Bohrungen sind oft weniger ergiebig. Kuba kostet die Produktion eines Barrel Öls knapp 14 US-Dollar. »Gesetzt den Fall, Kuba hätte genügend Erdöl, um es zu exportieren, könnte es dieses für 30 US-Dollar pro Barrel verkaufen, würde also den Gewinn verdoppeln«, rechnete López vor.

Das selbst produzierte Öl geht derzeit allerdings zum Großteil in die Energiegewinnung. Und López erwartet, dass der Energiebedarf in den kommenden Jahren noch steigen wird. Grund seien die Zunahme ausländischer Investitionen, steigende Touristenzahlen, ein Mehr an privatwirtschaftlichen Unternehmungen, mehr elektrische Haushaltsgeräte sowie Klimaveränderungen.

Auf ihrem Parteikongress im April hatte Kubas Kommunistische Partei Energiesouveränität zum langfristigen Ziel erklärt. Neben der Steigerung der Öl- und Gasproduktion wird seit einigen Jahren der Ausbau erneuerbarer Energien verfolgt. Kurzfristig aber gilt es, die Lieferengpässe aus Venezuela aufzufangen.

Untersuchungen zeigen, dass mehr Erdöl vorhanden ist. Kubas Ölindustrie arbeitet an diversen Förderprojekten. Für die nicht-konventionelle Förderung und die Förderung des vor der Küste vermuteten Öls aber werden ausländisches Kapital und Technik benötigt. Der niedrige Ölpreis aber habe dazu geführt, dass das Klima, um ausländische Investitionen anzulocken, derzeit nicht sehr günstig ist, meint López.

Viel ist daher zuletzt über neue Lieferanten Kubas spekuliert worden. Der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge hat Kubas Präsident Raúl Castro seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin um Hilfe gebeten. Dieser möge die Möglichkeit prüfen, Kuba konstant mit Öl zu beliefern. Jüngst hieß es zudem, dass Algerien erstmals Öl nach Kuba liefern könnte. Demnach soll die staatliche algerische Ölgesellschaft Sonatrach im Oktober 515 000 Barrel Erdöl liefern. Bestätigt wurden beide Meldungen bisher nicht. Aber vielleicht lagern im Norden der Insel wirklich 8,2 Milliarden Barrel - dann bräuchte Kuba in Zukunft weder Öl aus Russland, Algerien oder Venezuela.

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