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Wohnungen statt Öltanks

In Charlottenburg entwirft der Werkbund Berlin mit 33 Architekten eine Mustersiedlung

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Arno Brandlhuber, Max Dudler, Jan Kleihues, Hans Kollhoff, allein die Liste der 33 beteiligten Architekturbüros, die je ein Haus auf dem noch als Tanköllager genutzten Areal direkt am Charlottenburger Spreeufer entworfen haben, liest sich wie ein Who is Who der Szene. »Es ist toll, was der kleine Werkbund Berlin zustande gebracht hat«, sagt Baustadtrat Marc Schulte (SPD) am Donnerstag bei der Projektvorstellung.

Doch eigentlich ist das Projekt nach gängigem Baurecht nicht machbar. Zu viel Gebäudemasse, die auch noch zu nah am weiterhin betriebenen Heizkraftwerk von Vattenfall liegt. »Man darf nicht gleich mit der Schere im Kopf an so etwas herangehen«, sagt Schulte, sichtlich Fan des Projekts. »An so einer Position, an der ich sitze, gibt es manchmal vielleicht zu viele Juristen.«

Eine Lösung könnte die vom Bundesbauministerium angestoßene Novellierung des Baurechts sein. Der neue Typus »Urbanes Gebiet« soll dichtes Bauen ähnlich der Gründerzeit ermöglichen.

»Wir lassen gerade untersuchen, ob eine Verlegung der drei Fernwärmeleitungen die Schallemission so weit senken kann, dass Wohnungsbau möglich ist«, sagt Paul Kahlfeldt vom Deutschen Werkbund. Er ist zuversichtlich. Zusammen mit Claudia Kromrei vom Werkbund Berlin treiben sie das »Werkbundstadt Berlin« genannte Projekt voran.

»Ich beglückwünsche sie zum Mut, sich mit 33 Diven an den Tisch zu setzen«, sagt Architektin Anna Jessen, die wie alle anderen Planer ohne Honorar arbeitet. Es gab keinen klassischen Masterplan, die Entwürfe seien »im guten Sinne homogenisiert worden«, berichtet sie. »Der Prozess lief eher im Rahmen einer antiautoritären Erziehung.«

»Die hohe und dichte Bebauung ist ökologisch wesentlich sinnvoller«, sagt Architekt Christoph Ingenhoven. Mit Blick auf die Geschichte der Werkbundsiedlungen sei festzustellen, dass man nun in die Stadt zurückkehre. Früher war vor allem die aufgelockerte Bebauung am Stadtrand Markenzeichen. Er sieht das Vorhaben als Modellprojekt. »Es sind lauter Selbstverständlichkeiten, die allerdings in beispielhafter Weise vorgeführt werden«, so Ingenhoven.

»Wir werden uns noch Partner suchen, vielleicht auch eine städtische Wohnungsbaugesellschaft«, sagt Immobilienentwickler Simon Vodopivec, dem eines der drei Grundstücke gehört. Er rechnet mit einer Investitionssumme von 300 Millionen Euro. 30 Prozent der Wohnungen sollen nach dem Berliner Modell zu sogenannten bezahlbaren Mieten von 6,50 Euro pro Quadratmeter zu haben sein. Etwas über 53 Quadratmeter misst die durchschnittliche Wohnung auf dem Areal.

Doch noch steht nicht einmal der Bebauungsplan. Allein die Ausarbeitung wird ein bis zwei Jahre dauern. »Es ist gut für uns, dass es noch kein Baurecht gibt«, sagt Marc Schulte. »Wir als Bezirk können so viel stärker Einfluss nehmen, was und wie gebaut wird.« Vor Vorwürfen, dass ein Investor bevorzugt wird, wenn er wesentlich dichter als bisher zulässig bauen kann, hat Schulte keine Angst. »Durch die kooperative Baulandentwicklung hat Berlin so viele Vorteile, dass sich die Frage nicht stellt«, sagt er. Zumal eine Aufwertung durch dieses »neue und außergewöhnliche Projekt« Schultes Meinung nach der gesamten Gegend ganz gut tun würde. »Das Öl wird gerade abgepumpt, und der Boden ist nicht kontaminiert«, freut sich Paul Kahlfeldt vom Werkbund. 2020 könnten die neuen Häuser stehen. »Ein schönes städtebauliches Projekt«, findet er.

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