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»Herr, es ist Zeit!«

Sieben Tage, sieben Nächte: wie politisch gesehen die Blätter auf den herbstlichen Boden der Tatsachen fallen

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Irgendwie wollte man bis zum letzten Wochenende schon gar nicht mehr so recht daran glauben, dass es doch noch Herbst werden würde. Doch über Nacht - und pünktlich zum diesbezüglichen Vermerk im Kalender - ist er da. Ob das nach all den schönen Sonnentagen und ungewöhnlich hohen Temperaturen im September eine gute Nachricht ist, sei dahingestellt. Doch die Zeit des Erntens und der lustigen bunten Blätter hat freilich auch ihre Reize. Gut, Angela Merkel wird das vermutlich ein wenig anders sehen. Denn was sie in diesem Herbst einfährt, ist alles andere als ersprießlich. Ihr - wenn auch vorsichtiges - Einknicken vor dem großen, grauen und garstigen Mann aus dem jeden Tag wilder werdenden Süden hat auch die Geister im eigenen Laden geweckt. Die haben im Berliner Kreis seit Wochen schweigend ihre Runden gedreht und tapfer abgewartet, ob ihre in die Jahre gekommene Parteivorsitzende oder deren auch nicht mehr ganz frischer Widersacher von der bayerischen Schwesterpartei gewinnt. Um jetzt umso mutiger Merkels Führungsstil zu geißeln und eine imaginäre gesellschaftliche »Gesinnungspolizei« zu beklagen, durch die Verfechter von nationaler Identität, Patriotismus und deutscher Leitkultur als Rechtspopulisten abgestempelt würden.

Und zu fürchten steht, der Zwergenaufstand der Konservativen ist erst der Anfang. Denn der Herbst, das kann man heute getrost schon versprechen, wird wahrlich nicht golden - auch wenn SPD-Chef Sigmar Gabriel das nach seinem Sieg über die CETA-Gegner in der eigenen Partei im Moment womöglich so empfinden mag. Denn: Der Herbst wird diesmal ein ganzes Jahr andauern. Der graue Nebel des Wahlkampfes legt sich übers Land. Viel Wind wird in den nächsten zwölf Monaten wehen, mancher Sturm aufkommen - und jeden Morgen vor dem richtigen Wetterbericht werden die Wähler erfahren, wie wirkungsvoll die einen wie die anderen ihren einstigen Regierungspartner im Regen stehen gelassen haben.

Die nach den letzten Landtagswahlen völlig irrtümlich noch als Große Koalition bezeichnete Regierung hat längst in den Wahlkampfmodus geschaltet. Auf Sacharbeit braucht keiner mehr zu warten. Weder hat Schwarz-Rot die versprochene steuerliche Förderung des Wohnungsbaus auf die Reihe bekommen, noch fasst sie jetzt die im Koalitionsvertrag vereinbarte Mietrechtsnovelle an. Und ob die nächtens mit heißer Nadel genähte neue Variante der Erbschaftsteuer diesmal die Gnade der Bundesverfassungsrichter findet, steht in den Sternen. Die Erntebilanz dieser Regierung ist schon zu Beginn des überlangen Herbstes mager. Aber den für solche Fälle fälligen Rilke werden wir erst nach dem Blätterfall 2017 aufsagen können: »Herr, es ist Zeit!« Da kann einen schon der Herbstblues erwischen. Gabriele Oertel

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