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Umstrittene Firma will nach Berlin

Internationaler Betreiber von Flüchtlingslagern bewirbt sich auf Ausschreibungen

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 2 Min.

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Wenn Medien vom »dreckigen Geschäft mit Flüchtlingen« berichten, geht es häufig um Sicherheitsfirmen oder andere Dienstleistungsunternehmen, für die der Betrieb von Flüchtlingsunterkünften mehr eine Frage des Profits ist als ein humanitärer Akt. In Berlin betreiben mehrere Privatfirmen Asylheime, meist kleinere Firmen, die im vergangenen Herbst ihre Chance sahen, ins Flüchtlingsgeschäft einzusteigen. Nun droht ein internationaler Konzern auf den Berliner Markt zu dringen.

Die Firma Serco stammt aus Großbritannien, wo sie in den unterschiedlichsten Bereichen im Dienstleistungssektor tätig ist. Unter anderem betreibt sie dort, sowie in den USA, Abschiebelager. Mit der australischen Regierung hat Serco einen exklusiven Vertrag für den Betrieb der Auffanglager vor der Küste abgeschlossen.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Medienberichte, die unhaltbare Zustände in diesen Heimen thematisierten. Im britischen Abschiebelager Yarl›s Wood soll in mindestens einem Fall ein Serco-Mitarbeiter eine Insassin sexuell missbraucht haben. In anderen Berichten heißt es, seit Australien Flüchtlinge bereits vor seiner Küste abfängt, sei die Zahl der Selbstverletzungen stark gestiegen. Auch die Selbstmordrate unter Asylsuchenden habe stark zugenommen.

»Gegenwärtig erkunden wir Möglichkeiten, unseren Service in Deutschland anzubieten und nehmen an geeigneten Ausschreibungen der Berliner Behörde LAGeSo teil«, sagte Serco auf Anfrage dem »nd«. Auf den Internetseiten des Unternehmens finden sich bereits Stellenangebote für Heimleiter und andere Mitarbeiter. Ab wann und für welches Heim geht daraus nicht hervor, das Unternehmen äußert sich dazu nicht. Laut Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales ist Serco noch kein Vertragsnehmer des Landes. Zu gegebenenfalls laufenden Verfahren beziehe man keine Stellung.

»Unternehmen mit einem solchen Ruf dürften in einem Ausschreibungsverfahren gar nicht erst berücksichtigt werden«, sagt Bernd Mesovic von Pro Asyl. Auftraggeber müssten genau schauen, in welchem Bereich die Bewerber bisher tätig seien, wie sie dort agierten und was ihre Interessen seien. Da sich das Land Berlin in der Vergangenheit mit der Flüchtlingsunterbringung überfordert gezeigt habe, »habe ich Bedenken, dass Serco die Ablehnung bekommt, die das Unternehmen verdient«.

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