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China und Japan drängen auf die Insel

Kubas wirtschaftliche Öffnung macht das Land auch für Asiens Giganten zu einem attraktiven Ziel

  • Von Andreas Knobloch, Havanna
  • Lesedauer: 3 Min.

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Sie geben sich die Klinke quasi in die Hand: Kaum hat Irans Präsident Hassan Rohani Kuba seine Aufwartung gemacht, landete am Donnerstagabend Japans Regierungschef Shinzo Abe in Havanna. Der erste Besuch eines japanischen Ministerpräsidenten auf Kuba überhaupt eröffnet ein neues Kapitel der seit 1929 bestehenden bilateralen Beziehungen. Zuletzt hatte im Mai vergangenen Jahres Außenminister Fumio Kishida die Insel besucht. Wie in vielen anderen Ländern hat die Neuausrichtung der US-Kuba-Politik sowie die neue wirtschaftliche Dynamik auf Kuba durch die von Präsident Raúl Castro eingeleitete wirtschaftliche Öffnung auch in Japan ein neues Interesse an dem Land hervorgerufen. Bisher gab es vor allem Verbindungen über die Entwicklungszusammenarbeit.

Pünktlich zum Abe-Besuch wurde die Restrukturierung der kubanischen Altschulden gegenüber Japan in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro vereinbart. Das Übereinkommen ebnet den Weg für japanische Kredite und mögliche Investitionen. Zudem wird Abe der Insel medizinisches Gerät überlassen, wie die japanische Zeitung »Nikkei« berichtete. Offiziell handelt es sich um Entwicklungshilfe, doch dürfte damit die Hoffnung auf spätere Exportaufträge für Medizintechnologie verbunden sein. Zudem soll ein Ausbildungszentrum für kubanische Mediziner eingerichtet werden, in dem diese an japanischer Technologie geschult werden. Neben Medizintechnik dürften die Bereiche Tourismus und Infrastruktur besonders interessant sein.

Im Juli hatte der Mitsubishi-Konzern ein Büro in Havanna eröffnet. »Aus logistischer Sicht hat der karibische Markt großes Wachstumspotenzial«, so Mitsuyuki Takada. Der Senior Vizedirektor für Globale Strategien verwies auf die wegen ihrer strategischen Lage zwischen den USA und Panama-Kanal interessante Sonderwirtschaftszone Mariel vor den Toren Havannas, in der ausländischen Investoren Steuervorzüge und andere Vorteile gewährt werden.

Trotz der diplomatischen Offensive sind die Beziehungen zwischen Japan und Kuba weit davon entfernt, so gut zu sein wie die zwischen Havanna und Peking. China ist Kubas zweitwichtigster Handelspartner und in gewisser Weise Vorbild für Kubas wirtschaftliche Reformen.

In den kommenden Tagen wird Chinas Premier, Li Keqiang, in Kubas Hauptstadt erwartet, genaue Reisedaten gibt es allerdings noch nicht. Beim Kuba-Besuch von Chinas Präsidenten, Xi Jinping, im Juli 2014 hatten beide Seiten rund 30 Abkommen geschlossen. Kooperationen wurden in den Bereichen Gesundheit, Biotechnologie, Bildung, Landwirtschaft, Erneuerbare Energien sowie Tourismus vereinbart. Beim Ausbau seiner Internet-Infrastruktur setzt Kuba ebenfalls auf chinesische Technik. Seit Dezember 2015 gibt es Direktflüge zwischen Peking und Havanna.

Bisher unterstützt China Kuba vor allem mit Krediten. Im Februar waren zwei Kreditlinien vereinbart worden. Sie ermöglichen Kuba den Kauf von chinesischen Traktoren sowie von 240 Eisenbahnwaggons zur Personenbeförderung. Darüber hinaus wird mit chinesischen Geldern - die Rede ist von mehr als 100 Millionen US-Dollar - der Hafen von Kubas zweitgrößter Stadt, Santiago de Cuba, ausgebaut.

Ebenso wie die Reise Abes dürfte die Keqiangs ganz im Zeichen von Wirtschaftsabkommen und Kooperationsvereinbarungen stehen. Japanische und chinesische Firmen versuchen, sich auf Kuba in Position zu bringen, bevor die US-Blockade fällt und US-Unternehmen auf den kubanischen Markt drängen, der ihnen bisher noch verwehrt ist.

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