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Elektromobilität ohne Stromleitung

Auf der Fachmesse InnoTrans in Berlin präsentieren Bahnhersteller ihre technischen Innovationen

  • Von Rainer Balcerowiak
  • Lesedauer: 3 Min.

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Digitalisierung, Energieeffizienz und umweltfreundliche Mobilität standen im Mittelpunkt der diesjährigen InnoTrans. Die viertägige Fachbesucherveranstaltung in den Berliner Messehallen, die am Freitag zu Ende ging, hat sich längst zur globalen Leitmesse für schienen- und straßengebundene Verkehrstechnik gemausert. Vertreten waren über 2950 Aussteller aus 60 Ländern, mehr als 145 000 Fachbesucher kamen. Am Sonnabend und Sonntag besteht auch für andere Interessierte die Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen. Besondere Attraktionen gibt es für Familien mit Kindern.

Punkten kann der Messestandort mit einem Alleinstellungsmerkmal: Für die Präsentation neuer Triebwagen und Waggons steht in Berlin ein Freigelände mit 3,5 Kilometer Schienennetz zur Verfügung, welches direkt an die Fernbahntrasse angeschlossen ist. Zum Verdruss vieler Besucher glänzte zwar das neue Flaggschiff der Deutschen Bahn, der von Siemens entwickelte ICE 4, durch Abwesenheit, doch andere Anbieter präsentierten einige zukunftsweisende Triebwagentechnologien, besonders für den Regionalverkehr.

Die Elektrifizierung aller Nebenstrecken wird ökonomisch und infrastrukturell auf unabsehbare Zeit nicht realisierbar sein. Triebwagen sollen künftig aber ohne klima- und gesundheitsschädliche Dieselemissionen auskommen. Der französische Hersteller Alstom stellte auf der Messe sein Modell »Coradia iLint« vor, das von einer Brennstoffzelle auf Wasserstoffbasis angetrieben wird. Im Herbst 2017 beginnt der Probebetriebe auf einer Strecke zwischen Buxtehude und Cuxhaven sowie das reguläre Test- und Zulassungsverfahren. Mehrere Verkehrsverbünde sind am Kauf dieser Züge interessiert, auch aus den Niederlanden und Skandinavien gebe es Anfragen, erklärte ein Firmensprecher. Der Bund wird die Anschaffung dieser Züge in noch nicht näher bezifferter Höhe fördern.

Ein anderes Konzept verfolgt der kanadische Bombardier-Konzern. Am Standort Hennigsdorf (bei Berlin) wird derzeit der »Talent 3« entwickelt, ein Hybridtriebwagen, der nicht elektrifizierte Streckenabschnitte mit Batteriestrom befahren kann. Die Reichweite mit einer Akkuladung soll zunächst bis zu 100 Kilometer betragen, was für fast alle in Frage kommenden Strecken im Personennahverkehr ausreichen würde. Die Entwickler vom Bombardier gehen außerdem davon aus, dass bei den Speicherkapazitäten in naher Zukunft große Fortschritte zu erwarten sind, so dass mittelfristig auch der Einsatz von Batterien bei Schienengütertransporten, die aufgrund des Gewichts wesentlich mehr Energie benötigen, möglich sein wird. Ferner soll der »Talent 3«, der 2018 in den Testbetrieb gehen soll, so konstruiert werden, dass er mit allen europäischen Spurweiten und Bahnstromsystemen kompatibel ist, was zum einen grenzüberschreitende Verkehre erleichtern würde und zum anderen das nach einer Pannenserie (vor allem beim Vorgängermodell »Talent 2«) im Konkurrenzkampf mit anderen Anbietern arg ins Hintertreffen geratene Unternehmen wieder besser positionieren könnte.

Bundesumweltministerium Barbara Hendricks (SPD) zeigte sich bei einem Rundgang am Donnerstag sehr angetan von den neuen Entwicklungen. Verkehr spiele eine zentrale Rolle für die Einhaltung der Klimaschutzziele - »dazu brauchen wir mehr Verkehr auf der Schiene und mehr Engagement bei strombasierten Antrieben«, so Hendricks. Auch ihr für Verkehr zuständiger Kabinettskollege Alexander Dobrindt (CSU) gab sich auf der Messe als Vorkämpfer für die Verkehrswende. Er kündigte unter anderen an, niedrigere Lärmgrenzwerte für den Güterverkehr notfalls auch gegen den Willen der EU in Deutschland durchzusetzen, um die Akzeptanz für den dringend notwendigen und im Bundesverkehrswegeplan vorgesehenen Ausbau der Trassen zu erhöhen.

Allerdings stecken die Umrüstung des Güterführparks auf »Flüsterbremsen« wie auch die Installation effektiver Lärmschutzwände noch ebenso in den Kinderschuhen wie die angekündigte »Verkehrswende« in Gänze. Im Gegenteil: Der Anteil der Schiene am Gütertransport ist in den vergangenen Jahren gesunken, auch weil die bundeseigene Deutsche Bahn die entsprechende Infrastruktur kontinuierlich zurück- statt ausgebaut hat. So zukunftsträchtig die jetzt vorgestellten technischen Innovationen auch sein mögen - ohne politische und finanzielle Rahmenbedingungen werden sie kaum die erhoffte Wirkung erzielen können.

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