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Farbig der Osten, der Westen Schwarz-Weiß

Wer sich an das Berlin der 1980er Jahre erinnert, erinnert sich für gewöhnlich nur an die halbe Stadt. Den Alltag dies- und jenseits der Mauer hat aus bekannten Gründen kaum jemand zu gleichen Teilen in sich aufsaugen können. Umso interessanter verspricht eine Gegenüberstellung in Nachhinein zu werden, wie sie jetzt der Lehmstedt Verlag mit zwei parallel erscheinenden Bildbänden ermöglicht.

»Goodbye Ostberlin« (112 S., 19,90 €) heißt der eine: Zwischen 1986 und 1989 entstandene Fotografien von Harald Hauswald zeichnen darin ein Stimmungsbild der Hauptstadt der DDR in deren letzten Jahren. Allein die Motive - hier eine Parade von Akrobatinnen im poppig-grellen Dress, dort ein punkiges Pärchen, hier zwei schrullige Geschwister vor der Eisdiele, dort die aufgebrachten Massen vor dem Palast der Republik - wissen von Spannungen und Widersprüchen zu berichten. Hauswalds Blick auf die Dinge scheint Oberflächen platzen zu lassen und die Geschichten dahinter freizulegen.

Im Westteil der Stadt war zur selben Zeit der Fotograf Christian Schulz unterwegs auf den Straßen und hinter den Fassaden. Eine Auswahl dessen, was er mit seiner Kamera festhielt, ist im Band »Die wilden Achtziger« (160 S., 24,90 €) zu entdecken. Wüsste man nicht um den Ort der Entstehung: Alltagsszenen wie die auf dem hier gezeigten Bild hätten sich ebenso gut im Osten abspielen können. Nach der muslimischen Frau mit Kopftuch, die auf dem Gehsteig Wasser pumpt, hätte man in der anderen Stadthälfte aber so vergebens gesucht wie nach den beiden fröhlichen nackten Männern auf einer Demo, deren Glieder mit einem Gurt verbunden sind. Bemerkenswert: Hauswald fotografierte den Osten in Farbe, Schulz den Westen in Schwarz-Weiß.

Auf einer gemeinsamen Buchpremiere im Restaurant »Riogrande« (May-Ayim-Ufer 9) werden die Bücher an diesem Dienstag ab 21 Uhr vorgestellt. mha Foto: Christian Schulz © Lehmstedt Verlag, 2016

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