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Spionierende Alltagsdinge

Antonio García ist wohl der erste ehemalige Facebook-Angestellte, der sich traut, Interna des Unternehmens zu verraten. Sein Buch »Chaos Monkeys« erschien Anfang des Sommers auf englisch. Im Interview mit »Zeit Online« sagte García neulich Sätze wie: »Die Techunternehmen leben davon, einen abzuhören«, und: »Ich glaube, dass die EU langfristig gegen Facebook kapitulieren muss«.

In der »FAZ« sieht der bekannte Internet- und IT-Experte Evgeny Morozov die Macht von Regierungen schwinden, wenn Google, Facebook und Co. ihre künstliche Intelligenz erst mal mit ausreichend Personendaten gefüttert haben werden. Identitäts-, Kommunikations- und andere Verhaltensdaten erhalten die Konzerne (fast) gratis von Nutzern, immer dann, wenn sie die ständig wachsende Zahl der digitalen Dienstleistungen nutzen.

Doch das »Leben ist kein Algorithmus«, halten dem die Mitglieder einer nicht näher benannten Gruppe entgegen, die unter diesem Titel von Freitag bis Sonntag in Köln eine Konferenz durchführen. Doch was tun? »Das Netz ›ein bisschen sicherer‹ machen? Oder sind wir in der Lage Alternativen zu erdenken, Techniken zu ›hacken‹ und sie gegen die beklemmende Totalität des Zugriffs auf unser Leben in Stellung zu bringen?«, fragt sich das Vorbereitungsteam der Konferenz. Seiner Einschätzung nach ist das gesellschaftliche Bewusstsein für den tiefgreifenden Wandel, den die wachsende Digitalisierung mit sich bringt, völlig unzureichend. Dabei sind die Absichten der Konzerne nicht geheim.

So sagte der frühere Googlegeschäftsführer Eric Schmidt schon 2010 in einem Interview: »Ich glaube, dass die meisten Menschen eigentlich nicht wollen, dass Google ihnen ihre Fragen beantwortet. Sie wollen, dass Google ihnen sagt, was sie als nächstes tun sollen.« Er wies wiederholt darauf hin, dass seine Firma wisse, wo wir uns aufhielten, was uns gefiele und, dass sich das gut ausschlachten ließe.

Seitdem hat Google sich sogar noch viel mehr Quellen zugelegt. Tochterunternehmen entwickeln autonom fahrende Autos, Thermostate oder Uhren. Als Alltagsspione in der total vernetzten Welt haben die Geräte das Ziel, dem Konzern ein umfassendes Bild von unserem Leben und von unserer Persönlichkeit zu verschaffen.

Das Themenspektrum der Konferenz ist breit, behandelt wird beispielsweise auch der Einfluss der Computerisierung auf die Arbeitswelt und der zerstörerische Abbau der Rohstoffe, die für die weltweit zunehmende Elektronik gebraucht werden. Um staatliche Überwachung und Repression wird es auf dem Kongress selbstverständlich auch gehen. Eine umfassende Textsammlung zu all diesen Themen hat die Veranstaltungsgruppe schon online gestellt.

Die Konferenz ist bereits ausgebucht. Einige der Themen können jedoch bei einer Vortragsreise vertieft werden, die drei der ausländischen Gäste rund um den Kongress unternehmen.

Kongress: 30.9. bis -2.10.2016 Köln, Alte Feuerwache Vortragsreise: 29.9.: Frankfurt am Main, 5.10.: Berlin, 6.10.: Hamburg. www.bigdata.blackblogs.org

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