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Wenn das Nordseeöl versiegt

Dänische Energieagentur sagt Ende der Förderung für 2047 voraus

  • Von Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: 3 Min.

Trotz Windrädern und grünem Image ist Dänemark auch ein bedeutender europäischer Förderer und seit 20 Jahren ein Nettoexporteur von Öl und Gas. So mancher Finanzminister wird in den vergangenen Jahrzehnten einen leisen Dank in Richtung Nordsee geflüstert haben, wenn es um die Aufstellung des Staatshaushaltes ging. Doch die dänische Produktion ist bei beiden fossilen Energiequellen schon seit 2004 rückläufig. In fünf bis zehn Jahren müsse ein steigender Teil des heimischen Bedarfs importiert werden, wie aus einer soeben vorgestellten Prognose der staatlichen Energieagentur hervorgeht. Die Behörde erwartet, dass die dänische Rohölproduktion im Jahr 2047 und die Gasproduktion 2052 ganz enden wird.

Die Prognose wurde im Zusammenhang mit der Herausgabe des »Planes 2025« der liberalen Regierung erstellt. Dieser soll Klarheit schaffen über Dänemarks finanzielle Möglichkeiten im kommenden Jahrzehnt - die Entwicklung der Einnahmen aus der Nordsee stellen hier einen wichtigen Posten dar. Noch vor zehn Jahren war die Energieagentur übrigens davon ausgegangen, dass das Produktionsende nach 2060 liegen würde, aber fallende Investitionslust sowie stagnierende Technologieentwicklung haben zu einer neuen Sicht geführt. Eine ganze Reihe von Bohrungen in den letzten Jahren blieb trocken, so dass früher berechnete mögliche Reservemengen kräftig nach unten korrigiert werden mussten. Hinzu kommen technische Probleme, die etwa die Ausbeutung des ansonsten vielversprechenden Hejre-Felds im äußersten Zipfel des dänischen Lizenzgebietes trotz Milliardenkosten auf unbestimmte Zeit verzögern.

Zum neuen Pessimismus gehört auch, dass die Öl- und Gaskonzerne seit dem Verfall der Preise für fossile Brennstoffe ihre Erkundungen eingeschränkt und ihre Belegschaften um 10 bis 15 Prozent reduziert haben. Gleichzeitig wurde im Jahr 2012 die Besteuerung auf Druck von links erhöht und für alle Förderer vereinheitlicht. Grund dafür war die sich zunehmend durchsetzende Erkenntnis, dass die Naturreserven gemeinsamer Besitz des dänischen Volkes sind und ihm in höherem Grad zugute kommen sollen. Auch deshalb wurde der sogenannte Nordseefonds eingerichtet, der die zusätzlichen Steuereinnahmen sammeln sowie in den Ausbau und die komplette Elek- trifizierung der dänischen Eisenbahn investieren soll. Der Ölpreisverfall hat jedoch zu weit geringeren Einnahmen geführt als ursprünglich geplant und die liberale Regierung will den ambitionierten Plan revidieren.

Gleichzeitig fordern die in dänischen Gewässern aktiven Ölkonzerne wie A.P.Møller-Mærsk, Hess und RWE, dass die Besteuerung ihrer Gewinne gesenkt werden müsse. Sie würden gerne ähnlich stark vom Staat gefördert werden wie die Betreiber von Windparks, denen ein bestimmter Kilowattpreis zugesichert ist.

Im Grunde geht es auch für Dänemark um die politische Entscheidung, ob das Land mit ganzem Herzen die Pariser Klimaschutzbeschlüsse umsetzen oder sich wie bisher auf mehrere Energiequellen stützen will. Es sieht nach letzterem aus. Trotz der zunehmend düsteren Prognosen haben der Staat und die wichtigsten privaten Ölförderer dem dänischen Zen- trum für Öl- und Gasforschung rund 140 Millionen Euro an Forschungsmitteln zur Verfügung gestellt, um neue Technologien für die weitere Produktion zu entwickeln. Hier äußert man sich vorsichtig-optimistisch, dass es gelingen werde, das dänische Ölzeitalter zu verlängern. Diese Botschaft werden, Klimadiskussion hin und her, auch künftige Finanzminister wohlwollend aufnehmen.

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