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Scharfes für Herrn Li

Biolumne über die Wunderwirkung des Ingwers und das Ergebnis einer neuen Studie

  • Von Reinhard Renneberg
  • Lesedauer: 3 Min.

»Meine« Chinesen lieben ihr Essen scharf, besonders bei der Sechuan-Küche. Chili-Paprika ist das bevorzugte Gewürz. Auch Ingwer darf nicht fehlen.

Über die Wunderwirkungen des Ingwers hat die Biolumne bereits berichtet. Ingwer beugt dem Kater nach dem Genuss von Maotai (ein chinesischer Hochprozentiger) vor, wie der Biolumnist aus gelegentlichem (!) Selbstversuch weiß. Die würzige Wurzel hilft auch bei Seekrankheit in schaukelnden Dschunken. Das Gewürz verlangsamt überdies das Fortschreiten einiger Krebsarten und wirkt auch gegen Diabetes und Arthrose. Und das praktisch ohne Nebenwirkungen. Genial!

Nun kommt eine neue Studie zu dem Schluss, dass Ingwer und Chili gemeinsam einige Krebserkrankungen noch effektiver bremsen können. In Zellkulturen haben Inhaltsstoffe der Chili-Schoten sich schon früher als wirksam gegen Krebszellen erwiesen. Andere Untersuchungen wollten aber auch krebserregende Wirkungen gefunden haben. Der hauptsächliche Wirkstoff dabei ist Capsaicin, welches Chilis so scharf macht. Capsaicin heftet sich an Rezeptor-Proteine der Krebszellen in der Zellkultur, bis diese absterben. Erstaunlich ist, dass Capsaicin dabei offenbar die gesunden und normalen Zellen, die den Tumor umgeben, unversehrt lässt.

Beim Prostatakrebs hat eine Studie der Universität von Kalifornien eine krebshemmende Wirkung ermittelt: für eine 90 Kilo schwere Person ungefähr 400 Milligramm Capsaicin dreimal pro Woche. Das entspricht dem verzehr von drei bis acht frischen Chilis pro Woche. Aber Vorsicht: Chilis sind für manche unverträglich!

Der scharfe Stoff in Chili reduziert die Bildung eines Proteins, das in großen Mengen von Tumoren erzeugt wird, zum Beispiel bei Prostatakrebs das prostataspezifische Antigen (abgekürzt PSA). PSA wird heute mit Immuntests gemessen und dient als Indikator. Doch ein praktisches Capsaicin-Medikament ist noch Zukunftsmusik.

Und so bleibt die Empfehlung des britischen Krebsforschungszentrums, das Krebsrisiko »natürlich« mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung zu senken. Reichlich Gemüse (dabei auch viel Ingwer und Paprika) sowie Obst sind auch sonst gesund.

Was den Biolumnisten als passionierten Kaffeetrinker außerdem freut: Die Wirkung von Capsaicin wird durch Koffein verstärkt! Das heißt, eine Kombination der beiden unterstützt Krebsvorsorge und -heilung, außerdem hilft es bei der Fettverbrennung. Kann wohl jeder gebrauchen …

Also: Kaffee mit Chili … zum Frühstück? Oder: Chili lieber mit Alkohol … zur Nacht?

Chinesen, die scharf gewürzte Speisen bevorzugen, hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie im »British Medical Journal« (Bd. 351, h3942) ein generell niedrigeres Sterberisiko - super, aber nur, wenn sie keinen Alkohol konsumierten - Pech!

Und wenn es höllisch im Schlund brennt?

Ein Biochemiker-Tipp? Man bekommt die Schärfe nicht mit Bier, Tee oder Wasser weg! Die scharfen Substanzen sind nämlich schwer wasserlöslich, aber gut fettlöslich. Und so wirkt ein Löffelchen Olivenöl Wunder.

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