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IS-Attentat auf kurdische Hochzeitsfeier in Rojava

Mindestens 30 Tote und 90 Verletzte / Vereinte Nationen fordern nach Scheitern der Syrien-Gespräche weiter politische Lösung

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Genf. Bei einem Selbstmordanschlag auf eine kurdische Hochzeitsfeier im Norden Syriens wurden mindestens 30 Menschen getötet. Laut dem stellvertretenden Gesundheitschef Suleiman Ahmad habe es zudem 90 Verletzte gegeben. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprengte sich der Attentäter in einem Saal in der nordöstlichen Provinz Hasaka in der selbstverwalteten Rojava-Region in die Luft. Zu dem Anschlag in der kurdisch-arabischen Großstadt bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Unter der lokalen Bevölkerung hatte sich laut Berichten von Aktivisten durch den Anschlag eine Panik ausgebreitet. Behörden riefen die Einwohner zum Blutspenden auf. Die Verletzten wurden in angrenzende Orte transportiert. Bereits im Juli waren mehr als 25 Zivilisten bei einem Anschlag des Islamischen Staates in der Stadt ums Leben gekommen.

UN suchen weiter nach politischer Lösung für Syrien-Konflikt

Ungeachtet der Einstellung der Syrien-Gespräche zwischen den USA und Russland wollen die Vereinten Nationen derweil weiter nach einer politischen Lösung für das Bürgerkriegsland suchen. Die UNO würde das syrische Volk »niemals dem Schicksal eines endlosen Gewaltkonfliktes überlassen«, sagte der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura am Montagabend in Genf. Eine neue Syrien-Resolution, über die im UN-Sicherheitsrat beraten wurde, lehnte Russland bereits ab.

Nach zwei Wochen heftiger Kämpfe um die syrische Stadt Aleppo hatten die USA ihre Gespräche mit Russland über eine Feuerpause am Montag für beendet erklärt. Die Geduld mit den Russen sei »am Ende«, hieß es aus dem Weißen Haus. Es gebe nichts mehr, »worüber die USA und Russland noch sprechen können«, sagte der Sprecher Josh Earnest. Die US-Regierung hatte bereits seit Tagen mit einem Abbruch gedroht, sollte Russland seine Luftangriffe auf Aleppo nicht einstellen.

De Mistura zeigte sich »sehr enttäuscht« über den Abbruch der Gespräche. Die UNO werde aber trotzdem weiter »mit aller Kraft auf eine politische Lösung drängen« und zudem alles versuchen, um Hilfslieferungen zu den notleidenden Menschen in dem Bürgerkriegsland zu bringen.

Die syrischen Regierungstruppen werden in ihrer Großoffensive zur Rückeroberung Aleppos massiv von der russischen Luftwaffe unterstützt. Das US-Außenministerium warf ihr vor, zuletzt verstärkt auch zivile Ziele wie Krankenhäuser angegriffen zu haben. Neben Aleppo wurde am Montag auch die belagerte Stadt Duma heftig bombardiert. Anwohner und Aktivisten befürchten bereits, dass die Regierungstruppen in dem Vorort von Damaskus die nächsten Großoffensive starten.

Russland gibt Washington Schuld für Abbruch der Gespräche

Moskau bedauerte den Abbruch der Gespräche, wies jedoch Washington die Schuld zu. Die USA hätten sich nicht an die getroffenen Vereinbarungen gehalten, sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa. Die USA und Russland hatten Anfang September eine Feuerpause für Syrien vereinbart, die jedoch nach nur einer Woche kollabiert war. Eine Serie von Gesprächen zwischen US-Außenminister John Kerry und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow blieb ohne Ergebnis.

Das Scheitern des Dialogs mit den USA über eine Waffenruhe in Syrien schadet nach russischer Darstellung auch dem Kampf gegen Terrorgruppen in dem Bürgerkriegsland. »Die Entscheidung Washingtons zeigt, dass die Regierung von Barack Obama nicht in der Lage ist, die Schlüsselbedingungen für unsere Zusammenarbeit im Interesse einer Beendigung des Syrien-Konflikts zu erfüllen«, teilte das Außenministerium in Moskau in der Nacht zum Dienstag mit. »Oder sie hatte nie die Absicht.«

Zugleich warf Russland den USA vor, absichtlich zu wenig im Kampf gegen Terroristen in Syrien zu tun. Die USA hätten niemals ernsthaften Druck auf die Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra-Front) gemacht, hieß es. »Bei uns festigt sich der Eindruck, dass Washington in seinem Streben nach einem Machtwechsel in Syrien einen «Pakt mit dem Teufel» eingeht.«

Ein von Frankreich eingebrachter Resolutionsentwurf, über den der UN-Sicherheitsrat am Montag in New York beriet, ruft zur Wiederherstellung der Feuerpause auf und verlangt ein Verbot militärischer Flüge über Aleppo. Mit dem Text, über den das mächtigste UN-Gremium möglicherweise noch diese Woche abstimmt, soll der Druck auf Russland erhöht werden.

Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin erklärte jedoch, die Resolution werde nichts bringen. Sie biete »keine Chance«, ein Ende der Kämpfe zu erreichen. Auch Vize-Außenminister Gennadi Gatilow erklärte, Moskau werde den Resolutionsentwurf nicht unterstützen. Er ließ aber offen, ob Russland von seinem Veto Gebrauch machen wird, um die Resolution zu verhindern. Agenturen/nd

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