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Erzieherinnen zweiter Klasse

Heftiger Widerstand gegen Forderung nach gleichen Gehältern in den Thüringer Kitas

  • Von Sebastian Haak, Erfurt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Alles, was mit der Pflege und Betreuung von Menschen in Deutschland zu tun hat, ist längst ein Markt geworden. Gerade auch im Kita-Bereich in Thüringen lässt sich das sehen. Auch dort ist seit den 1990er Jahren ein wesentlicher Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge in die Hände von mehr oder weniger privatwirtschaftlich arbeitender Organisationen gelegt worden. Gab es 1990 noch deutlich mehr kommunal getragene als freie Kitas im Land, hat sich diese Situation inzwischen völlig umgekehrt. Nach Daten, die die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Thüringen zusammengetragen hat, arbeiten nun im Freistaat 818 Kitas in freier und nur noch 497 in öffentlicher Trägerschaft. Diesen Trend beschreibt die Bildungsreferentin der GEW Thüringen, Nadine Hübner, mit wenigen Schlagworten: »Privatisierung, Rückzug aus dem öffentlichen Dienst, rein in die freien Träger.«

Aus Sicht der GEW ist dieser Zustand nicht länger hinnehmbar. Schon gar nicht in Thüringen, wo seit fast zwei Jahren eine rot-rot-grüne Koalition regiert, die sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt hat zu versuchen, dass auch freie Träger ihre Erzieherinnen demnächst wieder mindestens ungefähr so bezahlen, wie es die Kommunen tun. Und die GEW will, dass Rot-Rot-Grün diesen Versuch nicht irgendwann, sondern jetzt beginnt.

Dass es Gehaltsunterschiede zwischen den pädagogischen Beschäftigten bei den freien Träger und denen der Kommunen gibt, ist unstrittig - auch wenn diese in der Realität nicht so hoch ausfallen dürften, wie es die GEW vorrechnet. Denn die Gewerkschaft macht Vollzeitstellen zur Grundlage ihrer Angaben, es gibt solche Stellen in Kitas aber kaum. Die meisten Erzieherinnen arbeiten in Teilzeit, wodurch die realen Gehaltsunterschiede kleiner sind. Die Thüringer Arbeiterwohlfahrt (AWO) wiederum wirft der GEW vor, falsche Zahlen zu verbreiten. Die AWO beispielsweise, so ein Sprecher, bezahle ihre Mitarbeiter besser als die GEW das angebe. Eine Erzieherin mit einer Vollzeitstelle und vier Jahren Berufserfahrung in einer AWO-Kita erhalte 2390 Euro brutto pro Monat, sagt der Sprecher. Die GEW gibt einen Vergleichswert von 2243 Euro bei der AWO an. Aber: Für den öffentlichen Dienst hat die GEW 2764 Euro pro Monat errechnet.

Allerdings zeichnet sich schon jetzt ab, dass die freien Träger gegen jeden Eingriff in ihre Tarifhoheit heftigen Widerstand leisten werden - und die GEW-Forderung, den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes über eine Tariftreueklausel im Kita-Gesetz quasi zum verbindlichen Branchentarifvertrag für die Kita-Beschäftigten in Thüringen zu erklären, kaum durchzusetzen sein wird. Da dürfte auch der Hinweis nichts nützen, dass Erzieherinnen in kommunalen und freien Kitas doch die gleiche Arbeit leisten, die gleiche Qualifikation haben - und dafür auch gleich bezahlt werden sollten.

Schon jetzt heißt es von den freien Trägern: Wir zahlen schon ordentlich und nach jeweils eigenen Tarifverträgen. »Wir reden hier nicht über Dumpinglöhne«, sagt beispielsweise der AWO-Sprecher. Erzieherinnen hätten in aller Regel eine schulische Ausbildung hinter sich. »Und wenn man unseren Tarifvertrag mit dem vergleicht, was andere Menschen mit schulischer Ausbildungen verdienen, dann sind unsere Erzieher schon heute nicht schlecht bezahlt.« Außerdem: Wer sage denn, dass der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes so toll sei?

Ähnlich äußert sich der Geschäftsführer des Kinder- und Jugendwerks der Volkssolidarität in Thüringen, Matthias Wilfroth. »Ich halte nicht viel von Branchentarifverträgen«, sagt er. Zudem sei es falsch, nur auf die Gehälter zu schauen, wenn man bewerten wolle, was ein guter und was ein schlechter Tarifvertrag ist. »Urlaub, Zuschläge, Zulagen und viele andere Dinge spielen in so einem Tarifsystem doch auch eine Rolle.«

Der Sprecher der AWO hat deshalb eine klare Botschaft an die GEW: Wer wolle, dass in allen Kitas wie im öffentlichen Dienst bezahlt werde, der müsse die Privatisierungen der 1990er Jahre rückgängig machen. »Dann muss man alle Kitas rekommunalisieren«, sagt er.

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