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Dortmund erwartet eine gefährliche Mischung

Hunderte Rechtsextreme wollen am Sonnabend in der Ruhrmetropole aufmarschieren

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Für die Dortmunder Polizei steht am Sonnabend alles andere als ein entspannter Tag an. Hooligans, Neonazis und andere Rechtsextreme wollen durch die Stadt ziehen. Mit dem Versuch, den Aufmarsch in eine stationäre Kundgebung umzuwandeln, scheiterte die Polizei vor dem Verwaltungsgericht im ungeliebten Gelsenkirchen. Ob der Widerspruch vor dem nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgericht Erfolg hat und die Rechtsextremen – wie es sich die Polizei wünscht – nur in einer Seitenstraße des Hauptbahnhofs stehen dürfen, steht noch aus.

Bei der Polizei ist man sich sicher, gute Argumente für die Forderung zu haben, die Demonstration nicht laufen zu lassen. Polizeipräsident Gregor Lange geht »von einer hohen Gefahr für Unbeteiligte, andere Versammlungsteilnehmer und Polizeibeamte aus.« In Hannover und Köln konnten Polizeibehörden mit ähnlichen Gefahrenprognosen dafür sorgen, dass die rechten Hooligans nicht laufen durften. Die beiden Veranstaltungen blieben weitgehend störungsfrei.

Allerdings wurden diese von den »Hooligans gegen Salafisten« (HoGeSa) angemeldet, die für Straßenschlachten bei einem Aufmarsch in Köln vor zwei Jahren verantwortlich waren. Der für die jetzige Veranstaltung in Dortmund verantwortliche Verein »Gemeinsam stark Deutschland« (GSD) ist offiziell unabhängig von HoGeSa, führende Köpfe wirkten allerdings auch organisatorisch bei den Ausschreitungen von Köln mit. GSD veranstaltete bereits Demonstrationen in Erfurt und im vergangenen April in Magdeburg. Dort waren etwa 600 Hooligans gekommen. Abgesehen von Attacken gegen Journalisten blieb es friedlich.

In Dortmund könnten deutlich mehr Teilnehmer zum Aufmarsch kommen. Die Stadt ist bei Neonazis dafür bekannt, dass sie weitgehend störungsfrei aufmarschieren können. Außerdem hat GSD ein für Rechtsextreme sehr attraktives Programm zusammengestellt. Aus Dresden kommt die ehemalige »Pegida«-Frontfrau Tatjana Festerling. Unter Hooligans genießt sie einen guten Ruf. Die Krawalle 2014 hatte sie verteidigt, und in Interviews bezeichnete sie Hooligans als Steuerzahler mit einem »bizarren Hobby«.

Noch mehr Begeisterung bei Hooligans und Neonazis dürfte der Auftritt von Siegfried »SS-Siggi« Borchardt erregen. Der Dortmunder genießt sowohl in der Hooligan- als auch in der rechtsextremen Szene Kultstatus. Anfang der 80er gründete er die Hooligantruppe »Borussenfront« und durchlief seitdem beinahe jede neonazistische Gruppe oder Partei bis zu ihrem Verbot. In Dortmund wurde Borchardt 2014 für die Partei »Die Rechte«, in den Stadtrat gewählt, gab sein Mandat aber schnell an einen jüngeren »Kameraden« ab.

Für musikalische Unterhaltung soll beim Aufmarsch die Rechtsrockband »Oidoxie« sorgen. Dies dürfte auch für Zulauf sorgen. Die Band um den Dortmunder Marko Gottschalk gilt als »Combat 18« nahestehend. Die Organiation »Combat 18« steht für rechten Terror. Anschläge in Großbritannien gehen auf ihr Konto. Im Umfeld von »Oidoxie« wurde vor einigen Jahren eine Zelle des bewaffneten Arms des Neonazi-Netzwerks »Blood and Honour« aufgebaut.

Aus der Dortmunder Zelle stammt etwa Beate Zschäpes Brieffreund Robin Schmiemann, der bei einem Raubüberfall auf einen Discounter einen Tunesier niederschoss. In Dortmund suchen die »heimatliebenden Patrioten« von »Gemeinsam stark« also den Schulterschluss mit dem Kern des militanten Neonazismus in Deutschland. Dass ein Aufmarsch, der aus einer Mischung von gewaltaffinen Hooligans und zum Terror bereiten Nazis besteht, friedlich bleibt, ist zu bezweifeln.

Protest gegen den Aufmarsch formiert sich in Dortmund nur zögerlich. Den Antifaschisten steckt noch der Großaufmarsch von 1000 Neonazis im Juni und die breite Kampagnenarbeit gegen rechte Gewalt in den vergangenen Wochen in den Knochen. Das »BlockaDO«-Bündnis ruft dennoch zu einer Gegenveranstaltung auf. Wegen des hohen Aggressionspotentials der Nazis werde man den Aufmarsch allerdings »mit Abstand begleiten«, so BlockaDO-Sprecherin Iris Bernert-Leushacke. Nach den aktuellen Plänen soll es eine Demonstration in Richtung des Aufmarsches geben, um den Nazis zumindest optisch zu zeigen, was man von ihnen hält, nämlich nichts.

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