Escape auf dem Brett: Wechselbad aus Verzweiflung und Erleuchtung

Über 40 Spiele hat sich das Entwicklerpaar Inka und Markus Brand bisher für seine Fangemeinde ausgedacht, einige sind sogar hoch geehrt worden. Bei der Essener »Spiele«-Messe laden die beiden die Besucher u.a. zu einer gemeinsamen Runde »Village« ein. Ein Dauerrenner, nicht erst seit es 2012 als »Kennerspiel des Jahres« ausgezeichnet worden ist.

Aber die Brands, sie Jahrgang '77 und gelernte Hotelfachfrau, er zwei Jahre älter und Versicherungskaufmann, sind in Essen auch mit etwas völlig Neuem vertreten. Sie transformierten nämlich Live Escape Games auf das Spielebrett. Und mit »Exit - das Spiel« könnte es sogar der Beginn einer langen Reihe werden.

Live Escape Games, auch Escape Rooms genannt, sind Spiele, die ansonsten in einem realen Raum, also Zimmer, Keller, Haus, Höhle, stattfinden. Es kann auch mal die Grabkammer eines Pharaos sein, der Saferaum einer Bank oder die Wohnung eines Attentäters. Die Spielverläufe sind höchst unterschiedlich, das Spielziel ist immer das gleiche: Ein Team zwischen zwei und sechs Mitgliedern wird eingeschlossen und muss innerhalb von 60 Minuten »ausbrechen« (to escape, dt. entkommen, ausbrechen). Entweder direkt, also den Schlüsselcode knacken, oder auch im übertragenen Sinne, also eine Lösung für ein existenzielles Problem finden. Dafür müssen Dutzende Rätsel gelöst werden. Diese sind, meist noch verklausuliert, im Raum in Form von Einrichtungsgegenständen aller Art, Farbgebung, Bildern, Büchern, Garderobe usw. verborgen und müssen von dem Team erst einmal aufgespürt werden. Ein Spielleiter gibt, wenn nötig, von außen per Bildschirm Hilfestellung.

Diese ständig zwischen Verzweiflung und Erleuchtung pendelnde Spielsituation, soll nun auch per Brettspiel erzeugt werden. Die Meriten des Entwicklerpaares lassen da einiges erhoffen. Wobei für potenzielle Käufer der Preis ein interessanter Abwägungspunkt sein dürfte. Der Pegasusverlag bietet jedes Spiel (jeweils bis sechs Mitspieler) für 12,99 Euro an. Bei einem kommerziellen Live-Escape-Rooms-Veranstalter (über 200 davon gibt es in Deutschland schon) kostet ein Spiel für ein Zweierteam bereits fast das Vierfache. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass ja eine einmal gespielte Liveversion für den, der dabei war, eigentlich ausgespielt ist; für ihn gibt es keine Geheimnisse mehr. Eine ein Mal durchgespielte Brettspielversion lässt sich indes zu Hause mit »unbeleckten« Freunden immer wieder spielen. mim

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