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Rettende Balkanroute

Vor mehr als 70 Jahren flohen Zehntausende über das Mittelmeer vor den Nazis

Berlin. Kein Tag, an dem nicht irgendwo in Europa tätliche oder verbale Übergriffe auf Flüchtlinge stattfinden, an deren Unterkünften gezündelt wird oder Asylverschärfungen gefordert werden. Keine Woche, in der die vor Krieg und Armut Geflüchteten nicht durch Hassdemonstrationen, Wutausbrüche oder scheele Blicke zu spüren bekommen, wie wenig erwünscht sie sind in dem Land ihrer Hoffnung auf Frieden, Arbeit und ein kleines Glück. Kein Monat, in dem nicht Politiker irgendwo in Europa betonen, es sei nun aber genug mit Hilfe und Unterstützung, die Belastungsgrenzen seien erreicht und die Kosten viel zu hoch.

Dass die Deutschen Meister in der Verdrängung sind, haben sie schon oft bewiesen. Dabei würde ein Blick in die Geschichte durchaus lohnen. Denn während des Zweiten Weltkriegs gab es auch eine Balkanroute - in umgekehrter Richtung. Vor mehr als 70 Jahren entkamen zehntausende Europäer den Nazis über die Ägäis. Täglich legten auf den griechischen Inseln Fischerboote mit Flüchtlingen in Richtung Türkei ab. Für rund 3000 Juden wurden die von den britischen Truppen errichteten Lager in der Türkei, in Palästina, Ägypten und Syrien (u.a. in Aleppo) zur Rettung. Ihr Leben verdankten die Flüchtenden nicht zuletzt selbstlosen Helfern, die aus vielen Ländern kamen - und erfindungsreich waren, den Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und Kleidung wettzumachen. So, wie das heute auch ungeachtet des feindlichen Klimas in jedem Dorf und in jeder Stadt in Deutschland geschieht, in denen Menschen aus Syrien, Irak, Eritrea oder Afghanistan untergekommen sind. oer

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