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Die Leiden des Martin Schulz

Der Paralympicssieger im Triathlon beklagt mangelnde Förderung von Behinderten

  • Von Sandra Degenhardt, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Zukunft von Martin Schulz ist unklar. Auch wenn der 26-Jährige als erster Triathlon-Paralympicssieger in Rio Sportgeschichte geschrieben hat, weiß er noch nicht, wie es weitergeht. Alles steht und fällt mit dem leidigen Thema Förderung. »Ich liebe Triathlon, und Tokio 2020 ist mein Ziel. Aber es wurde teilweise auch zur Belastung: eine Leidenschaft, die Leiden schafft«, sagt er mit nicht zu überhörendem Frust. Ist Aufhören eine Option? »Ja. Ich möchte nicht, dass der Triathlon eine Last wird.«

Schulz will eigentlich nur eines: unter professionellen Bedingungen seinem Sport nachgehen. Denn der Leipziger, der erst vor vier Jahren vom Schwimmen komplett zum Triathlon wechselte, ist einer der Weltbesten seiner Zunft - fünfmal Europameister, dreimal Weltmeister und nun erster Paralympicssieger. Und er ist noch nicht am Limit. »Ich habe noch viel Potenzial, kann mich in jeder Disziplin verbessern.«

Aber die Rahmenbedingungen stimmen nicht. Bekam er vor den Paralympics vom Behindertensportverband und der Deutschen Sporthilfe einen Förderbetrag von 550 Euro im Monat, sind es jetzt nur noch 150 Euro. »Die nur auf den Höhepunkt ausgelegte Top-Team-Förderung von 400 Euro fällt weg«, klagt Schulz. Die Behindertensportler bekommen von der üblichen A-Kader-Förderung der »Nichtbehinderten« nur die Hälfte: also 150 statt 300 Euro.

»Ich fange jetzt ganz normal wieder mit einem 30-Stunden-Bürojob an und muss schauen, dass ich mein Geld da verdiene. Das Training läuft in den nächsten Monate erst mal nur so nebenbei. Das hat für mich nichts mit Leistungssport zu tun«, sagt Schulz. Der 26-Jährige, dem der linke Unterarm fehlt und der bei den Stadtwerken Leipzig vorerst befristet bis 2018 in Teilzeit arbeitet, hat schon immer eine duale Karriere verfolgt.

»Wenn ich weitermache, muss ich mich zu 100 Prozent darauf konzentrieren können und nicht noch nebenbei zehn andere Dinge tun müssen, um mich über Wasser zu halten«, sagt der gelernte Büro- sowie Sport- und Fitnesskaufmann. Denn viele seiner Konkurrenten sind Profis. »In Rio waren in meiner Startklasse alles Vollprofis«, sagt Schulz. »Klar schaut man neidisch auf die anderen, auch weil sie aus Nationen kommen, die wirtschaftlich viel schwächer als Deutschland sind«, sagt Schulz, der seinen Jahresurlaub für Trainingslager nimmt und auch privat Geld in seinen Sport investiert.

Sein Wunsch: eine Stelle in einer Sportfördergruppe, wie sie viele nichtbehinderte Athleten haben, inklusive Freistellungen und Gehalt. »In Deutschland liegen zwischen olympischem und paralympischem Sport immer noch Welten. Die Medaillenprämien sind das Einzige, was angeglichen wurde. Ansonsten sind wir überall benachteiligt. Im internationalen Vergleich sind wir nur mittelmäßig aufgestellt, das ist als Sportnation schwach«, hadert Schulz.

Wenn es nicht klappt? »Dann werde ich zu 100 Prozent in meinen Beruf einsteigen und Triathlon als Hobby machen.« Doch das will er jetzt noch nicht. dpa/nd

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