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Frauke Wagenknecht? Sahra Petry?

Zwei Politikerinnen beackern dieselben Themenfelder. Das bedeutet noch lange nicht, dass ihre Ausrichtung gleichzusetzen ist

  • Von Roberto J. De Lapuente
  • Lesedauer: 4 Min.

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Links und rechts, das war mal, ist veraltet. Besser noch: Es ist eigentlich dasselbe. Massentauglich wurde diese Einschätzung, als immer montags Leute zur Friedensdemo aufbrachen und in deren Umfeld sich politisch suspekte Personen einstellten. Selbst der Initiator der Montagsmahnwachen hielt links und rechts für überkommen – und darüber hinaus für verkommen. Nennenswerte Unterschiede zwischen den Richtungen wollte er nicht feststellen. Diverse Bundesregierungen leisteten gute Vorarbeit, über Jahre hinweg setzten sie rechten Terror mit linken Sachbeschädigungen gleich und taten so, als sei Extremismus, ganz gleich woher stammend, immer dieselbe Chose. Und so war es letztlich folgerichtig, dass Pegida auch zu dieser Haltung kommen musste. Besorgte Bürger äußern sich von jeher in dieser Form und brüllen was von »Lechts und Rinks« in die Mikros und man müsse diese ollen Kategorien überwinden, betonen aber gleichzeitig, dass sie bestimmt keine Rechten seien. Versprochen! Sie können halt nur die »grün-rot versiffte Politik« (Pirinçci) im Lande nicht leiden.

Zur Überwindung der Kategorien tragen nun verstärkt sogenannte Qualitätsjournalisten bei. Endlich können sie die Linke mit der rechten Keule vermöbeln. Sahra Wagenknecht liefere dafür angeblich seit Monaten das nötige Substrat. Ihr Zwiegespräch mit Frauke Petry sei jedoch der finale Beweis. Die »Süddeutsche« sprach hierbei von einer »heimlichen Klammer zwischen ganz rechts und ganz links« und die »Zeit« verstieg sich dazu, dass man jetzt »Lechte und Rinke […] verwechseln« könne und bemühte so den Soziolekt der Straße, auf der Sorgenbürger knobelbechern. »Spiegel Online« kontruierte hingegen eine »Achse der Extreme« und die »taz« ereiferte sich des »Konsensgespräches« zwischen den Damen. Es ist überhaupt schon kurios, dass man Wagenknecht über so viele Jahre vorwarf, sie sei eine radikale Linke, um sie jetzt mit der rechten Keule niederzustrecken. Ist diese Frau, die selbst teils iranische Wurzeln hat, denn nun wirklich zu einer Vertreterin des billigen Rassismus' transformiert?

Was man uns da als Treffen der Zwillingschwestern verkauft möchte, gründet einzig darauf, dass die beiden Frauen ja tatsächlich dieselben Themen beackern. So stellt zum Beispiel der Leiter des »Spiegel«-Hauptstadtbüros fest, dass beide »Merkels Flüchtlingspolitik kritisch [sehen] … sich lieber heute als morgen vom Euro verabschieden … [und] sich ganz schnell darauf einigen [könnten], dass Freihandelsabkommen wie CETA und TTIP ganz grundsätzlich von Übel sind«. Stimmt wohl. Das hat der Mann fein gemacht.

Und was jetzt? Er hat lediglich aufgezählt, wie beide zu bestimmten Themen stehen. Aber nicht, was ihnen als Lösungsweg oder Alternative vorschwebt. Nur weil man sich an denselben Sujets abarbeitet und generell Änderungen möchte, verschwimmen ja nicht gleich die Positionen. Position bezieht man doch erst, wenn man darlegt, wie und wohin man sich bewegen möchte. Anhand dieser Kriterien misst man, ob jemand links oder rechts tickt. Natürlich finden sich beide, um ein Beispiel zu geben, mit Merkels Flüchtlingspolitik nicht ab: Petry wollte alternativ einen Schießbefehl, Wagenknecht möchte hingegen Fluchtursachen bekämpfen. Und das soll kein Unterschied sein?

Man verwischt hier ganz bewusst die Unterschiede, um linke Positionen zu diskreditieren. Klar haben Linke und Rechte dieselben Themen. So war es in Weimar, so war es in der Bonner Republik. Wenn man in einem Staat lebt, hat man eben zwangsläufig dieselben Prämissen. Wie man sie aber behandelt, darauf kommt es an. Die einen schreien beispielsweise »Lügenpresse!« und meinen damit jüdische Infiltration und muslimische Weltverschwörung. Die anderen sehen auch, dass in den Medien ein Hang zur Verlogenheit herrscht. Sie schieben es aber auf von Konzerne finanzierte Kampagnen zurück. Das ist doch keine Gleichsetzung der politischen Richtungen, auch wenn man dieselbe Tendenz hüben wie drüben wahrnimmt.

Was man aus der Welt, wie man sie vorfindet, macht, wie man die Verhältnisse einordnet und sie abändern will, das macht Links und Rechts aus. Man ist nicht automatisch rechts, wenn man Flüchtlinge dadurch vermeiden will, dass man die Gründe für den Aufbruch abstellen möchte. Verbesserung der Lebensbedingungen: Hier stellt jemand die soziale Frage. Auf die hat Petry aber keine Antwort. Wagenknecht schon. Das ist der Unterschied.

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