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Täuschungen, Manipulationen

Micheil Dshawachischwili und seine symbolträchtige Gestalt eines Gauners

  • Von Steffi Chotiwari-Jünger
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Schneeballsysteme, Hochstapeleien und waghalsige Spekulationen - die Geschichte des Kapitalismus ist auch voller Betrug und Gaunertum«, so war unlängst in der Zeitschrift »Capital« zu lesen. Um eben solche Gauner und Hochstapler geht es im vorliegenden, 1924 erstmals erschienenen Roman des georgischen Schriftstellers Micheil Dshawachischwili (1880-1937).


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* Micheil Dshawachischwili: Das fürstliche Leben des Kwatschi K. A. d. Georg. v. Kristiane Lichtenfeld. Nora Verlag. 470 S., geb., 29,90 €.


Im Mittelpunkt der Handlung steht der Protagonist Kwatschi mit seinen Machenschaften, Täuschungen, Manipulationen und Betrügereien, die er vor allem im zaristischen Russland, in Westeuropa sowie in den Anfangsjahren der Sowjetunion vollführt. Den Autor interessieren dabei nicht in erster Linie die maßlosen Ideen und Betrügereien an sich, obwohl auch sie teils amüsant, teils brutal zu lesen sind, sondern die Haltungen dahinter, das Woher (die Erziehung oder besser Verziehung der Hauptgestalt), die Freunde und Mitmenschen (die eine solche Haltung unterstützen, befördern oder begünstigen) und wohin eine solche Lebenshaltung führt.

Der Autor sammelte jahrelang Material für seinen Roman: in Georgien, Russland, aber auch während seiner »Lehr- und Wanderjahre« (ab 1906 Emigration) in Frankreich, in der Schweiz, Italien, England, Belgien und Deutschland, deren Eindrücke sich unübersehbar im Roman niederschlugen. Zwar kehrte der Schriftsteller 1909 nach Georgien zurück, aber schon bald wurde er wegen seiner journalistischen Tätigkeit wieder festgenommen und des Landes verwiesen. Er ging nach Rostow am Don zu einer Versicherungsgesellschaft, und was er dort an unglaublichen Geschichten und Skandalen erlebte, floss ebenso in die Gestalt des Versicherungsschwindlers Kwatschi ein.

Von Dshawachischwili erschienen auf Deutsch in den 1960er bis 1980er Jahren bereits die Romane »Giwi Schaduri«, »Die Geächteten von Marabda« und drei Erzählungen, außerdem der hier besprochene Roman, der damals in der DDR bisweilen zum Schmunzeln herausforderte, während er nun unter den neuen Bedingungen eher zu einer lehrreichen, gar warnenden Lektüre wird.

Wer von uns ist nicht schon einmal oder beinahe von einem solchen Schurken über den Tisch gezogen worden? Der Autor beschreibt auch die Verknüpfungen des Gauners Kwatschi mit der großen Politik (vor allem in Person des Rasputin sowie der Mitglieder des Zarenhofes).

Im Unterschied zu der Ausgabe des Werks 1986 sind mehrere Passagen zu Iwan Iwanytsch Iwanow (gemeint ist Lenin) hinzugekommen (in Anlehnung an die georgische Ausgabe von 2004, die sich auf Archivmaterialien stützt). »Immerhin kratzen sie ein wenig am Heiligenbild des Revolutionsführers«, heißt es im Nachwort.

Der vorliegende Roman ist einer der aktionsreichsten, der anregendsten und mitreißendsten der georgischen Literatur. Den Namen Kwatschi hat Dshawachischwili in Georgien zu einem Synonym für einen erfindungsreichen und hemmungslosen Gauner, Abenteurer und Geschäftemacher erhoben. Und auch hierzulande wird er den Leser zweifelsohne enorm fesseln.

Es scheint, die Werke Micheil Dshawachischwilis erleben derzeit in Deutschland überhaupt eine Wiedergeburt: Der Roman »Bloß abhauen! Einfach aussteigen! oder Der weiße Kragen« über einen georgischen Aussteiger ist 2014 erstmalig in deutscher Sprache erschienen, und zahlreiche Erzählungen des Autors sollen noch in diesem Jahr folgen.

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