• Kultur
  • Buchmesse Frankfurt/Main

Täuschungen, Manipulationen

Micheil Dshawachischwili und seine symbolträchtige Gestalt eines Gauners

  • Von Steffi Chotiwari-Jünger
  • Lesedauer: 3 Min.

Was soll das hier?

Sei auch du solidarisch und unterstütze linken Journalismus mit einem freiwilligem Abo, einer Spende - oder noch besser entscheide dich für ein Digitalabo.

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Minimum 5 Euro/Monat

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Jetzt nicht ...

»Schneeballsysteme, Hochstapeleien und waghalsige Spekulationen - die Geschichte des Kapitalismus ist auch voller Betrug und Gaunertum«, so war unlängst in der Zeitschrift »Capital« zu lesen. Um eben solche Gauner und Hochstapler geht es im vorliegenden, 1924 erstmals erschienenen Roman des georgischen Schriftstellers Micheil Dshawachischwili (1880-1937).


Buch im nd-Shop bestellen:
* Micheil Dshawachischwili: Das fürstliche Leben des Kwatschi K. A. d. Georg. v. Kristiane Lichtenfeld. Nora Verlag. 470 S., geb., 29,90 €.


Im Mittelpunkt der Handlung steht der Protagonist Kwatschi mit seinen Machenschaften, Täuschungen, Manipulationen und Betrügereien, die er vor allem im zaristischen Russland, in Westeuropa sowie in den Anfangsjahren der Sowjetunion vollführt. Den Autor interessieren dabei nicht in erster Linie die maßlosen Ideen und Betrügereien an sich, obwohl auch sie teils amüsant, teils brutal zu lesen sind, sondern die Haltungen dahinter, das Woher (die Erziehung oder besser Verziehung der Hauptgestalt), die Freunde und Mitmenschen (die eine solche Haltung unterstützen, befördern oder begünstigen) und wohin eine solche Lebenshaltung führt.

Der Autor sammelte jahrelang Material für seinen Roman: in Georgien, Russland, aber auch während seiner »Lehr- und Wanderjahre« (ab 1906 Emigration) in Frankreich, in der Schweiz, Italien, England, Belgien und Deutschland, deren Eindrücke sich unübersehbar im Roman niederschlugen. Zwar kehrte der Schriftsteller 1909 nach Georgien zurück, aber schon bald wurde er wegen seiner journalistischen Tätigkeit wieder festgenommen und des Landes verwiesen. Er ging nach Rostow am Don zu einer Versicherungsgesellschaft, und was er dort an unglaublichen Geschichten und Skandalen erlebte, floss ebenso in die Gestalt des Versicherungsschwindlers Kwatschi ein.

Von Dshawachischwili erschienen auf Deutsch in den 1960er bis 1980er Jahren bereits die Romane »Giwi Schaduri«, »Die Geächteten von Marabda« und drei Erzählungen, außerdem der hier besprochene Roman, der damals in der DDR bisweilen zum Schmunzeln herausforderte, während er nun unter den neuen Bedingungen eher zu einer lehrreichen, gar warnenden Lektüre wird.

Wer von uns ist nicht schon einmal oder beinahe von einem solchen Schurken über den Tisch gezogen worden? Der Autor beschreibt auch die Verknüpfungen des Gauners Kwatschi mit der großen Politik (vor allem in Person des Rasputin sowie der Mitglieder des Zarenhofes).

Im Unterschied zu der Ausgabe des Werks 1986 sind mehrere Passagen zu Iwan Iwanytsch Iwanow (gemeint ist Lenin) hinzugekommen (in Anlehnung an die georgische Ausgabe von 2004, die sich auf Archivmaterialien stützt). »Immerhin kratzen sie ein wenig am Heiligenbild des Revolutionsführers«, heißt es im Nachwort.

Der vorliegende Roman ist einer der aktionsreichsten, der anregendsten und mitreißendsten der georgischen Literatur. Den Namen Kwatschi hat Dshawachischwili in Georgien zu einem Synonym für einen erfindungsreichen und hemmungslosen Gauner, Abenteurer und Geschäftemacher erhoben. Und auch hierzulande wird er den Leser zweifelsohne enorm fesseln.

Es scheint, die Werke Micheil Dshawachischwilis erleben derzeit in Deutschland überhaupt eine Wiedergeburt: Der Roman »Bloß abhauen! Einfach aussteigen! oder Der weiße Kragen« über einen georgischen Aussteiger ist 2014 erstmalig in deutscher Sprache erschienen, und zahlreiche Erzählungen des Autors sollen noch in diesem Jahr folgen.

Werbung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Jetzt aber schnell!

Schenken was wirklich Freude macht. Für diejenigen, die schon alles haben, oder auf kapitalistischen Überfluss verzichten wollen/sollen.

Jetzt bestellen oder verschenken