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Was man fürs Sorgentelefon so braucht

Kinderschutzbund Saarland bildet Berater aus

  • Von Katja Sponholz, Saarbrücken
  • Lesedauer: 3 Min.

Einige Teilnehmer haben es sich auf einem Sofa in dem Gruppenraum bequem gemacht, es gibt Tee und Muffins. Alle sprechen sich mit dem Vornamen an, obwohl die Gruppe bunt gemischt ist. Was auf den ersten Blick wie eine gemütliche Plauderrunde wirkt, ist ein anspruchsvolles Seminar für angehende Telefonberater bei der »Nummer gegen Kummer«. Es geht - ganz wissenschaftlich - um die Grundtechniken von Gesprächsführung, um Kommunikationstechniken und lösungsorientierte Beratung.

Rund 100 Stunden umfasst der Ausbildungskurs, mit dem der Ortsverband Saarbrücken des Deutschen Kinderschutzbundes im September begonnen hat. Zusätzlich zur Theorie gibt es Gespräche mit Beratern aus Hilfseinrichtungen und Praxisphasen, in denen die Teilnehmer bei erfahrenen Telefonberatern hospitieren.

Der Aufwand, der für die ehrenamtliche Tätigkeit erforderlich ist, schreckt keinen der Teilnehmer. »Gerade die Ausbildung finde ich interessant«, sagt Renan (25). »Und was ich lerne, bestärkt mich darin, künftig am Kinder- und Jugendtelefon zu arbeiten, um anderen helfen zu können - und das, ohne viel Zeit aufwenden zu müssen.« Psychologie-Studentin Vera (25) beschreibt ihre Motivation so: »Mir ist es wichtig, etwas Sinnvolles zurückzugeben, wo man im Leben im Vorteil ist.«

Sich in andere hineinzuversetzen und Verständnis zu haben, wird wohl auch für die 64-jährige Helga kein großes Problem sein. Schließlich ist sie Mutter von drei Kindern und hat in ihrem Beruf als Rechtspflegerin miterlebt, wie groß die Not bei sein kann, wenn man niemanden zum Reden hat. Weil sie vor einem Jahr in den Ruhestand ging, suchte sie eine sinnvolle Beschäftigung - und beim Kinderschutzbund brauchte man bei der Besetzung der Telefonberatung für Kinder und Jugendliche (Telefonnummer 116 111) dringend Verstärkung. Auch bei der Eltern-Beratung (Telefonnummer 0800/1110550) wird Personal gebraucht.

Die rund 20 Berater am Standort Saarbrücken können alle Dienste, die denkbar wären, gar nicht abdecken. Allein im letzten Jahr klingelte das Kinder- und Jugendtelefon im Saarland mehr als 2700 Mal, zudem wurden 144 Telefonanrufe am Elterntelefon entgegengenommen.

Das bundesweit organisierte System sorgt dafür, dass jeder Anrufer montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr einen Gesprächspartner erreicht - ganz gleich wo. »Aus meiner Sicht ist das Beratungsangebot ein sehr wichtiges«, sagt Kursleiterin Daniela Mink, »weil es niederschwellig, kostenlos und anonym ist.« Die 32-Jährige ist promovierte Psychologin.

Bundesweit gibt es 40 Standorte des Elterntelefons und 82 des Kinder- und Jugendtelefons. 16 von ihnen haben samstags zusätzlich auch das Angebot »Jugendliche beraten Jugendliche«. In Saarbrücken muss dieses Projekt seit 2015 eine Pause machen, weil viele der ehrenamtlichen Jugendlichen wegen einer Ausbildung oder einem Studium die Stadt verlassen haben. Oder ihnen fehlte die nötige Zeit für die freiwilligen Dienste. Jetzt hofft Ausbildungsleiterin Mink, das Angebot 2017 wiederbeleben zu können - auch mit Hilfe der Jugendlichen, die an ihrem Kurs teilnehmen.

Bundesweit sind bei »Nummer gegen Kummer« rund 4000 Ehrenamtliche im Einsatz. Doch immer wieder kommt es an einigen Standorten zu personellen Engpässen. Zumindest in Saarbrücken wird der Kinderschutzbund jedoch für die Zukunft besser gerüstet sein. dpa/nd

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