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Achtung, die rot-rot-grüne Armee steht vor Berlin!

Warnung vor der Sowjet-Nanny: Wie der Jungen Union München Nord einmal der Sprung auf Platz 1 der Vorsicht-Linksfront-Charts gelungen ist

  • Von Tom Strohschneider
  • Lesedauer: 3 Min.

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Früher waren es Socken. Große konservative Denker wie Peter Hintze warnten mit Verweis auf das rote Strickzeug vor dem Untergang des Abendlandes aka PDS-Regierungsbeteiligung. Heute stinkt die Union gegen Rot-Rot-Grün an und fädelt dabei Perle um Perle der Auseinandersetzung auf den parteipolitischen Rosenkranz. Schließlich ist die Bundesrepublik akut bedroht. Oder um es in den Worten der Jungen Union München Nord zu sagen: »Der deutsche Sozialismus formiert sich im Bund.«

Es gab mal einen »deutschen Sozialismus«, der in den 1920er Jahren bei völkischen Rechtsradikalen en vogue war. Was die Historiker von Angela Merkels Nachwuchstruppe aber eigentlich sagen wollen: Rot-Rot-Grün muss dringend verhindert werden. Von interessanter Geschichtsbetrachtung zeugt dabei, dass die Junge Union in ihre Anti-Mitte-Links-Propaganda eines der symbolträchtigsten Fotos der Befreiung Deutschland vom NS-Furor 1945 zu montieren: ein Rotarmist auf dem Reichstag.

Soll wohl heißen: Wenn die Linkspartei an einer Bundesregierung beteiligt ist, drohen sowjetische Verhältnisse. Denn nur als solche kann sich eine Junge Union etwas vorstellen, wo Sozialismus draufsteht. Oder soll man es so verstehen: Eher nimmt der CDU-Jungstreber mit NS und Weltkrieg vorlieb als eine demokratische Entscheidung für Rot-Rot-Grün zu akzeptieren? Ist die Große Koalition das, was die Rote Armee 1945 in Berlin besiegte?

Man darf übrigens daran gelegentlich erinnern, es muss ja 2017 erstmal gewählt werden. Oder anders: Es darf gewählt werden. Deshalb macht die Union ja auch gerade so einen Wind - Rote Armee und so. Es wird schon was im Wählerkopf hängenbleiben. Jedenfalls ist die Junge Union mit ihrem Facebook-Post sogleich an die Spitze der Charts gesprungen - an diese Höhen der Auseinandersetzung kommt sonst praktisch keiner ran. Jedenfalls bis jetzt. Ist ja noch ein bisschen Zeit bis kommenden Herbst.

Bis dahin hören wir dann täglich weiter das Beste aus den 1990er, 2000er und 2010er Jahren. Zum Beispiel den Hufeisen-Song, dieser Tage neu interpretiert von Peter Tauber: »Die Linke ist eine rote AfD.« Oder Stücke aus dem Rettet-Deutschland-Album, wie etwa den Andreas-Scheuer-Hit »Diese Linksfront würde Deutschland massiv schaden«. Wodurch? Na zum Beispiel durch den »rot-rot-grünen Enteignungsstaat«, vor dem sich Hans-Peter Friedrich fürchtet, ein gescheiterter Minister, dem es um jene »Freiheit« bange ist, bei der die Produzenten des gesellschaftlichen Reichtums von den Früchten ihrer Lohnarbeit ähm: enteignet werden dürfen.

Apropos Argumente gegen Rot-Rot-Grün: Es wird ja nicht nur bei der Union dagegen angesungen. Draußen in den Medien klatscht man auch einmal gern mit: gegen »Gleichmacherei und Bevormundung«, für Eliten und Leistungsmühle. Und da mit so schönen Formulierungen wir: »Der Staat kümmert sich um seine Bürger, so wie die Nanny um ihre unmündigen Schutzbefohlenen. Das bringt Deutschland nicht voran.« Genau! Wenn der Sigmar Gabriel und die Sahra Wagenknecht erst ihre ganzen grünen Kindermädchen loschicken … mit roten Fahnen, hin zum Reichstag. Oder wie war das? Draußen an den Volksempfängern wird schon mitgesummt: »Mögen Deutschland - und Europa! - davor bewahrt bleiben!« Ob la di ob la da.

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