Listiger Schelm auf märkischem Sand

Heiko Hesse schrieb auf, was Eulenspiegel so alles vor unserer Haustür anstellte - oder angestellt haben könnte

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Ob Till Eulenspiegel in Berlin und Brandenburg tatsächlich seine Spuren hinterlassen hat, wird wohl ein (oder sein) Geheimnis bleiben. Ob er tatsächlich von dieser Welt war oder die Eulenspiegeleien eine Sammlung bissig-kurioser Geschichten sind, die auf eine Gestalt vereinigt wurden, wissen nicht einmal die Götter. Das ist auch nicht so wichtig. Die Geschichten können sich so und überall abgespielt haben. Legenden breiten sich schneller aus als der Schall. Und selbst ein Till Eulenspiegel, so es ihn denn gab, hatte auch nur zwei Beine, einen Hintern und ein Gehirn. »Eulenspiegel ist und bleibt ein Geist und trägt sich jeder Zeit in ihrer Art an«, sagt Autor Heiko Hesse in einem ersten Wort. Und er schrieb auf, was dieser Mann einst im Brandenburgischen so alles angestellt haben könnte.

Es soll ihn tatsächlich gegeben haben. Geboren 1300, verstorben 1350 in Mölln. Möglich, denn in dieser Zeit raffte die Pest Millionen Menschen in Europa dahin. Dazwischen soll er kreuz und quer als Wanderbursche durch deutsche Landen gezogen sein. Erst 200 Jahre später wurden die Geschichten gesammelt, aufgeschrieben und so der Nachwelt erhalten. Und immer kamen neue alte hinzu.

Eulenspiegelfreund Hesse hat gesucht und gefunden. Er hat nicht versucht, etwas Modernes in Schrift und Sprache zu entwickeln, er blieb mit Spaß dem Mittelalter treu, und das ist gut so. Ein literarischer Schatzsucher, der uns nahebringt, was Eulenspiegel alles vor unserer Haustür angestellt haben könnte. Gigantische Strecken muss dieser listige Schelm auf märkischem Sand zurückgelegt haben. Als Wächter der Himmelspforte half er einem braven Mädchen vor der Hexenverbrennung. Als Leibhaftiger schlug er einen Bösewicht in die Flucht. Die Eberswalder rettete er mit einer Wurst vor räuberischen Horden. Er nähte aus feinsten Stoffen einen Wolf, so wie es ihm von Schneider geheißen worden war und er buk eine Eule beim Bäcker, weil es ihm so aufgetragen wurde. Aus kniffligsten Lagen fand Eulenspiegel stets einen Ausweg. Eines war Till Eulenspiegel ganz gewiss nicht: ein Narr, der mit seinen Faxen zur Erheiterung erlauchter Gestalten herhalten sollte.

In einem irrt der Autor wohl in seinem vorangestellten Wort: Den roten Machthabern in der DDR sei der Schelm ein Dorn im Auge gewesen. Hesse bezieht die Aussage auf einen Eulenspiegelbrunnen, der irgendwann einmal aus dem Eisenacher Stadtbild verschwand. Nein, Eulenspiegel, so wie er die Geldsäcke, Betrüger, die hochwohlgeborenen Herrschaften und ihre Lakaien, die Dummen und Ungerechten durch den Kakao zog, passte genau in das Bild vom furchtlosen und gewitzten Rächer der Enterbten, vom Mann aus dem Volke. Eulenspiegel war schon irgendwie ein Linker, der die soziale Gerechtigkeit auf seine Fahnen geschrieben hatte. Aber auf einem Leninplatz, wie der Theaterplatz zu seligen DDR-Zeiten einst benannt wurde, war ein Eulenspiegel kaum die richtige Symbolfigur - zu groß die Verwechslungsgefahr.

Das Buch wäre nur halb so schön ohne die Zeichnungen von Paul Pribbernow. Sie nehmen uns wahrhaftig mit in die Jahrhunderte der Bauern, Ritter, Klosterbrüder, Ratsherren und Fürsten. Die zerknitterten Gesichter, Antlitze denen die geistige Zurückhaltung auf der Stirn geschrieben steht.

Versunken ist das mittelalterliche Treiben - geblieben sind Dummheit, Neid und Habgier. Insofern hat sich die Menschheit gar nicht allzu weit entwickelt. Und die Moral von den Geschichten: Till, der Eulenspiegel, ist immer und überall.

Heiko Hesse (Text), Paul Pribbernow (Illustration): Till Eulenspiegel zieht durch die Mark. Be.Bra Verlag, 224 S., geb., 16 €.

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